Foto: Elbau Küchen AG

Der Style-Guide 2018 / 2019

Die Küchendesigner lassen sich immer wieder Neues einfallen, um Ästhetik und Funktionalität der Küche weiter zu verbessern. Das sind die aktuellen Trends

Text — Tanja Hegglin

 

DIE KÜCHE VON MORGEN

Im Rahmen des berühmten «Salone del Mobile Milano» – der Mailänder Möbelmesse – findet jeweils die EuroCucina statt. Sie gilt in der Branche als ultimativer Pulsmesser für Trends und präsentiert innovative und vor allem praktikable Lösungen für die Küche. Beim Küchendesign gilt die Devise: Form follows Function – die Form orientiert sich an der Funktion und nicht etwa umgekehrt. Die moderne Küche soll also in erster Linie den Alltag erleichtern


MONOLITHISCHES DESIGN

Die fugen- und grifflose Küche, die wie aus einem Guss wirkt, erfreut sich steigender Beliebtheit (siehe auch Interview). Dass Arbeitsplatten und Fronten aus unterschiedlichen Materialien bestehen, ist nicht sichtbar. Statt mit Griffen öffnen sich die Türen auf sanften Druck, und Herd sowie Spüle fügen sich nahtlos in die Oberfläche ein. Selbst Einbaugeräte verschwinden hinter den Fronten. Eine solche Küche wirkt sehr «clean» und elegant. Dieser monolithische Look – beliebt ist vor allem Hochglanz-Optik – lässt die Herzen von Minimalisten und Designfreunden höher schlagen.

Foto: Veriset AG
Foto: Elbau Küchen AG
Foto: Hans Eisenring AG
Foto: Veriset AG
Foto: IKEA

IMMER FLACHER UND EINFACHER

Die puristische Optik setzt sich auch bei den Küchengeräten fort: So sind Mulden- oder Tischlüfter weiterhin schwer im Trend und werden von Jahr zu Jahr raffinierter. Muldenlüfter sind diskret im Herdbereich versteckt und saugen die Abluft direkt dort ein, wo sie entsteht. «Weniger ist mehr» wird auch bei den Kochfeldern selbst zelebriert: Herdgriffe verschwinden, an ihre Stelle kommen Displays und/oder Bedienknöpfe auf dem Kochfeld. Letzteres ist auch bei Küchenarmaturen zu beobachten – die Bedienung wird immer einfacher und (kinder-) sicherer. Es geht soweit, dass man das Display «outsourct», und zwar aufs Smartphone: Immer mehr Geräte lassen sich über Apps steuern.

Foto: IKEA

MATERIAL-CHECK

Jedes Material hat seine Vor- und Nachteile. Bevor Sie sich für Küchenfronten, Arbeitsflächen und Rückwände entscheiden, sollten Sie Ihrem Küchenbauer folgende Fragen stellen:   

  • Wie hygienisch ist das Material (porenlos)?
  • Wie einfach ist die Reinigung?
  • Wie gut sind Fett- und Fingerabdrücke sichtbar?
  • Verträgt das Material Reibung, Kratzer und Stösse?
  • Ist es hitze- und säureresistent?
  • Lassen sich Schäden ausbessern?
  • Wie langlebig ist das Material? 

RAFFINIERTES INNENLEBEN

«Form follows Function» gilt auch fürs Innenleben der Küche. Schränke und Schubladen werden so optimiert, dass sich die Küche möglichst einfach bedienen lässt. Es sind oft kleine Details, die eine grosse Wirkung haben: zum Beispiel ausgeklügelte Schubladeneinteilungen statt «leere» Schubladen, in denen alles durcheinandergerät. Oder praktische, saubere Lösungen für Abfall und Recycling.

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INDIVIDUELL ANGEPASST

Küchendesign beschränkt sich längst nicht nur auf Möbel und Geräte: Getüftelt wird auch an der Ergonomie. Denn die Benutzerfreundlichkeit einer Küche ist alles andere als banal: Hier entscheiden Details darüber, wie alltagstauglich eine Küche ist. Einfach gesagt, soll Kochen zeitsparend und rückenschonend sein. Dabei wird Ergonomie immer individueller – ein 1.90 Meter grosser Mann braucht schliesslich eine andere Arbeitshöhe als eine 1.60 Meter grosse Frau.

DER EXPERTE


Peter Holliger,
Geschäftsleiter von Veriset AG

NACHGEFRAGT
DIE SCHÖNSTEN KOMBINATIONEN

DIE AUSWAHL AN MATERIALIEN FÜR KÜCHENFRONTEN, ARBEITSPLATTEN, RÜCKWÄNDEN UND NICHT ZULETZT BODENBELÄGEN IST RIESIG. WIE FINDET MAN DIE PERFEKTE KOMBINATION? 

Herr Holliger, gibt es die typische Schweizer Küche?

Die Küche ist ja eigentlich das Abbild der Bauherrschaft. Es gibt progressivere Menschen mit höherer Experimentierfreudigkeit, andere gehen eher Richtung Zeitlosigkeit punkto Design und Materialisierung. Die meisten Küchen werden in der Schweiz in Kunstharz in einer Weiss- oder Grauschattierung geordert. Die Abdeckung besteht aus Granit, meistens eher dunkel. Die Rückwände in einer sogenannten ESG-Glasvariante, auch eher in einem dezenten Farbton wie Milchglas oder eine helle Pastellfarbe. Die wirklichen «Hardcore»-Küchennutzer gehen vom Funktionalitätsanspruch aus: Frontenmaterial muss sehr pflegeleicht sein, z.B. mit Antifingerprint-Oberfläche und eher hell unifarben. Die Abdeckung typischerweise aus Chromnickelstahl wie im Profibereich, und die Geräte werden nach Funktionalität einzeln ausgesucht. Zusätzlich sind viele «Helferlein» gefragt, zum Beispiel Zusatzsteckdosen – was nicht schön, aber sehr zweckmässig ist. 

Es gibt eine riesige Auswahl an Materialien für Fronten und Arbeitsplatten. Welche Materialkombinationen wirken besonders stimmig, und was sollte man vermeiden?

Die Beurteilung ist sehr subjektiv und hängt stark von der Situation ab – ist die Küche fürs Ferienhaus oder für den Alltag? Mein Favorit sind aktuell: Mattfronten aus PET-Material, grifflos mit Servodrive und eine sehr helle Komposit-Abdeckung sowie eine Rückwand aus mattiertem Glas. Auf den ersten Blick scheint das Materialspiel in den Fronten – also unterschiedliche Materialien wie Holz, Kunstharz, Leder oder Linoleum in einer Mischform – attraktiv, aber meistens hat man bereits nach einigen Monaten genug von diesen Spielereien.

Küchen, die wie aus einem Guss wirken, sind im Trend. Wird hier tatsächlich für jedes Bauteil dasselbe Material verwendet?

Das ist eine Frage der Küchenphilosophie. Der konsequent monolithische Ansatz wird meist mit einer gewissen Funktionseinschränkung bezahlt. Die Geräteauswahl findet dann nicht über die Funktionen, sondern nach Designmöglichkeiten statt. Die Frage ist, wo liegen die Prioritäten – das coole Erscheinungsbild oder gute und schnelle Abläufe und Funktionen? Eine Einheitlichkeit der Materialien ist der falsche Weg, da dadurch wirklich tiefgreifende Konzessionen gemacht werden müssen. Das ist nur denen zu empfehlen, welche die Küche als Designobjekt sehen und sie nicht benutzen.

Ist die Landhausküche eigentlich out?

In Ferienhausregionen hat die klassische Landhausküche noch eine gewisse Bedeutung. In den Städten und Agglomerationen überhaupt nicht mehr. Hier sehen wir einen gewissen Trend zu Holzfronten in speziellen Verarbeitungsvarianten wie sägeroh, bei denen das Natur-Material sehr schön zur Geltung kommt und auch einen modernen Touch bringt.

Welche Rolle spielt der Küchenboden?

Der Boden spielt, wie auch die Rückwand, eine absolut zentrale Rolle in der Material- und Farbauswahl. In jeder Beratung empfehlen wir, einige Boden- und Wandfarb-Muster mitzunehmen. Die Küche muss in einen Gesamt-Kontext passen. Kontraste sind verspielter und mutiger, passen aber meist recht gut: heller Boden zu eher dunklen Möbeln oder umgekehrt.