Auf wie grossem CO2-Fuss leben Sie?

Zunehmend mehr Menschen möchten einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und umweltverträglicher leben. Welche Massnahmen sich am besten umsetzen lassen, ist individell verschieden.

Text — Raphael Hegglin

 


WAS KANN ICH FÜR DIE UMWELT TUN?

Eine Frage, die sich viele stellen – die aber nicht einfach zu beantworten ist. Denn als Erstes gilt es, den eigenen ökologischen Fussabdruck zu bestimmen. Nur so lässt sich erkennen, wo man sich verbessern kann.

Der ökologische Fussabdruck beschreibt, wieviel biologisch produktive Fläche notwendig ist, um einen bestimmten Lebensstandard bzw. Lebensstil zu ermöglichen. Masseinheit des ökologischen Fussabdrucks ist eine globale Hektare (gha). Sie entspricht einer Hektar Boden im weltweiten Durchschnitt. Idealerweise beträgt der ökologische Fussabdruck eines Menschen 1 oder kleiner – damit verbraucht er nicht mehr, als die Erde hergeben kann. Vorteilhaft am Konzept des ökologischen Fussabdrucks ist, dass er die gesamte Umweltverträglichkeit eines Menschen erfasst und sich nicht auf einen einzelnen Faktor wie CO2-Ausstoss oder Energieverbrauch beschränkt. Er beinhaltet unter anderem die Produktion von Nahrung, Kleidung und anderen Gütern, die Entsorgung von Müll wie eben auch den Energiebedarf und den CO2-Ausstoss.

Wer seinen ökologischen Fussabdruck im Detail kennt, weiss, wo das grösste Einsparpotenzial liegt. Doch wie findet man heraus, wie gross der Fussabdruck nun wirklich ist – und wo sich am meisten einsparen lässt? Mittlwerweile gibt es verschiedene Online-Tools, mit denen sich verschiedene Lebensbereiche analysieren lassen. An dieser Stelle werden einige – offizielle – vorgestellt. Zusammen ermöglichen sie eine guten Überblick. Hausbesitzer werden dabei feststellen, dass gerade sie viel bewirken können:

INFO

RECHNER TEILWEISE UNGENAU

In der Welt von Android und iOS boomen Rechner, mit denen sich die eigene Ökobilanz verbessern lässt. Es gelangen immer komplexere Programme auf den Markt. Sie erfassen alle Bereiche des Lebens, schliessen also neben Wohnen und Mobilität auch Nahrung, Kleidung, Freizeitaktivitäten und Abfall in die persönliche Ökobilanz mit ein. Allerdings: Die hinterlegten Daten sind oft nicht transparent und zu wenig genau. Ein Beispiel ist die Ernährung. Hier steht momentan vor allem Fleisch in der Kritik. Allerdings beeinflussen die Art der Fleischproduktion, die Lagerung und der Transportweg den CO2 Ausstoss massiv – die Unterschiede können 100 Prozent und mehr betragen. Zudem lassen sich Birnen und Äpfel – oder eben Fleisch und Kartoffeln – nicht direkt miteinander vergleichen. So enthält ein Kilogramm Rindfleisch rund 26 Gramm lebenswichtiges Eiweiss, bei Kartoffeln sind es nur rund 2 Gramm. Um den täglichen Proteingehalt zu decken, können also nicht nur Kartoffeln gegessen werden. Viele Online-Tools differenzieren hier noch zu wenig.

HAUS

Altbauten verbrauchen bis zu fünfmal mehr Energie als neue Gebäude. Das Einsparpotenzial ist also riesig. Die wichtigsten Massnahmen sind Fensterersatz, Dämmen der Aussenhülle und Heizungsersatz. Doch wieviel jede einzelne Massnahme bringt, das unterscheidet sich von Haus zu Haus. Evalo ist ein Analysetool, mit dem sich das Einsparpotenzial eines Hauses detailliert aufzeigen lässt. Es simuliert die umfassende Sanierung eines Gebäudes und stellt das Ergebnis umfassend dar. Dabei werden alle relevanten Aspekte wie Photovoltaikanlagen und die Gebäudefinanzierung berücksichtigt. Evalo lässt sich problemlos durch Laien bedienen. Die ausgedruckte Projektierhilfe kann im Gespräch mit Planern und Architekten als Gesprächsbasis dienen. So sind Hausbesitzer optimal auf ein anstehendes Sanierungs- Projekt vorbereitet. www.evalo.ch

 

MOBILITÄT

Beim Programm mobility-impact kann man Reiserouten eingeben und die Umweltbilanz verschiedener Verkehrsmittel durchrechnen lassen. Das Programm ist detailliert und berücksichtigt zum Beispiel die Personenzahl und den Benzinverbrauch eines Autos. Neben CO2-Ausstoss gibt mobility-impact auch Auskunft über Feinstaub- und Stickoxid-Emission sowie den Energieverbrauch. Anschaulich stellt das Programm dar, wie stark die Umweltbelastung eines Autos von seiner Auslastung (Personenzahl) abhängt. Das geht so weit, dass der Energieverbrauch für eine Strecke unter dem der Eisenbahn liegen kann. Auch die erforderlichen Verkehrsmittel beim ÖV werden berücksichtigt: Hat ein Ort beispielsweise keinen Bahnanschluss, wird automatisch die Postautofahrt dazu gerechnet. Mobility-impact eignet sich daher gut, das eigene Verkehrsverhalten zu überdenken und für jede Reise das geeignete Verkehrsmittel zu finden. www.energie-umwelt.ch

 

NAHRUNG

Die Umweltverträglichkeit einzelner Nahrungsmittel unterscheidet sich enorm. Doch Vergleiche hinken oft: So lassen sich Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln nicht mit den Eiweisslieferanten Fleisch, Milchprodukte und Soja vergleichen. Mit dem Onlinerecher von www.klimatarier.com lassen sich zumindest ganze Menüs zusammenstellen. Als Resultat erscheint dann der CO2-Ausstoss der Mahlzeit – oder nur einzelner Lebensmittel. Nährwerte werden allerdings keine angegeben. Dafür lassen sich verschiedene Menüs miteinander vergleichen. www.klimatarier.com

 

GESAMTÜBERBLICK

Der Footprint-Rechner des WWF erfasst die gesamten Lebensumstände. In 37 Schritten gibt man anonym Auskunft zu Ernährung, Mobilität, Wohnen, Freizeit und Konsum. Als Resultat erfährt man, wieviele Erden man verbraucht, und bekommt wertvolle Einspar-Tipps. Es handelt sich dabei um eine grobe Einschätzung, die durchaus nützlich ist. www.wwf.ch