Die Kraft der Pflanzen

Energie aus Biomasse ist ein Weg, um die Ziele der Energiestrategie zu erreichen. Hausbesitzer können diese Energiequelle auf vielfältige Art nutzen.

Text — Raphael Hegglin

 

ENERGIE AUS MIST UND ABFALL

Biomasse ist ein wahres Multitalent: Aus ihr lässt sich Heizwärme, Strom sowie Treibstoffe für Verbrennungsmotoren erzeugen. Dabei entsteht nur so viel CO2, wie zuvor in der Biomasse gebunden war – bzw. wie in der Pflanze. Biomasse ist daher grundsätzlich klimaneutral. Doch was genau ist Biomasse? Als Biomasse bezeichnet man alles nachwachsende, organische Material, also Stoffe pflanzlicher und tierischer Herkunft. Da Biomasse kontinuierlich nachwächst, ist sie erneuerbar. Zur Produktion von Energie und Energieträgern (Biogas) werden hauptsächlich pflanzliche Abfälle und tierische Ausscheidungen verwendet. Darunter fallen zum Beispiel Küchenabfälle, Holz oder Kuhmist.

DER LÖWENANTEIL DER BIOMASSE, ETWA 85 PROZENT, IST ENERGIEHOLZ

HEIZEN MIT BIOGAS

Aus biologischen Abfällen lässt sich auf vielfältige Weise Energie gewinnen. Beim Verbrennen entsteht
Wärme, die zum Heizen, aber auch zur Erzeugung von Strom genutzt werden kann. Wird der Abfall vergärt oder vergast (Holz), entsteht Biogas, das hauptsächlich Methan enthält. Dieses lässt sich ins Erdgasnetz einspeisen oder in Blockheizkraftwerken nutzen. Besitzer einer Gasheizung können – je nach Region – bei ihrem Energiedienstleister Biogas bestellen und mit diesem heizen. Aus Biomasse lässt sich zudem Alkohol (Ethanol) herstellen, welcher dem Benzin beigemischt werden kann. Dadurch verbessert sich die CO2-Bilanz eines benzinbetriebenen Autos. Schon heute wird in der Schweiz dem Benzin Ethanol beigemischt. Dieses stammt jedoch aus ausländischer Produktion, wobei Auflagen punkto Herstellung bestehen. So darf das verwendete Ethanol nicht aus Nahrungsmitteln hergestellt werden. Üblicherweise wird es daher aus Holzabfällen produziert.

INFO

Foto: malp/Fotolia.com


POWER-TO-GAS

Heute verkaufen die Elektrizitätswerke den überschüssigen Strom zu Schleuderpreisen ins Ausland oder pumpen damit Wasser in Stauseen hoch, um bei Bedarf wieder Strom daraus zu machen. Ersteres ist nicht wünschenswert und das zweite nur begrenzt möglich. Eine finanziell und ökologisch interessante Alternative bietet «Power-to-Gas». Die Technologie nutzt den überschüssigen Strom, um Wasser elektrolytisch aufzuspalten. So entstehen Wasserstoff und Sauerstoff. Während sich das Nebenprodukt Sauerstoff an die Industrie verkaufen lässt, dient der Wasserstoff dem Antrieb von Brennstoffzellen Fahrzeugen. Oder er lässt sich zusammen mit Kohlendioxid (CO2) weiter in Methan umwandeln, welches Gas-Fahrzeuge antreiben kann. Momentan forscht man in der Schweiz – insbesondere an der Empa – intensiv an Power-to-Gas.

PLATZ ZWEI DER ERNEUERBREN ENERGIEN

2015 hatte erneuerbare Energie einen Anteil von 23 Prozent am gesamten Energieverbrauch der Schweiz. Der Anteil an Biomasse-Energie betrug etwa ein Sechstel – nach der Wasserkraft ist sie die am häufigsten genutzte erneuerbare Energie. Mit ihr können rund 94 000 Haushalte mit Strom oder über 615 000 Haushalte mit Wärme versorgt werden – oder aber 120 000 Personen könnten anstatt mit einem herkömmlichen Auto mit einem reinen Biogas- oder Biodieselfahrzeug unterwegs sein. Der Löwenanteil der Biomasse, etwa 85 Prozent, ist Energieholz. Das ist naturbelassenes Waldholz, Restholz aus der Holzverarbeitung, Altholz oder Holz aus der Landschaftspflege. Aus den daraus angefertigten Schnitzeln, Pellets und aus Stückholz gewinnen fast 600 000 kleine und grosse Anlagen Wärme zum Heizen. Zudem gibt es rund 20 Holzheizkraftwerke, die neben Wärme auch Strom erzeugen.

 

BIOMETHAN IM GASNETZ

Hinzu kommt Energie aus vergärter Biomasse, sie macht etwa 10 Prozent aus: 430 Biogasanlagen haben
im Jahr 2015 aus organischen Abfällen ungefähr zu gleichen Teilen Strom, Wärme und Treibstoff gewonnen. Immer häufiger wird Biogas nicht direkt zu Strom und Wärme weiterverarbeitet, sondern als Biomethan ins Netz eingespeist. Es kann sowohl als Treibstoff wie auch zum Heizen verwendet werden.

Biomasse wird als Energieträger also auch für Hausbesitzer immer interessanter. Sie trägt dazu bei,
den Anforderungen der Energiestrategie 2050 gerecht zu werden. Doch nicht nur das: Dank lokaler Produktion stärkt sie die Regionen, zudem ist sie nicht zugänglich für internationale Spekulationen.