Foto: Rapsgelb/pixelio.de

Grüne Energie für Ihr Zuhause

Ökostrom schützt die Umwelt – teilweise direkt vor der Haustür.

Text — Raphael Hegglin

 

ERNEUERBARE QUELLEN

Ob mit Photovoltaikanlage, Solarkollektoren oder Wärmepumpe: Umweltfreundlich produzierte Energie
liegt im Trend. Doch es ist Hausbesitzern nicht immer möglich, eigene Anlagen zu installieren, um damit erneuerbare Energie zu produzieren. Etwas für die Umwelt tun lässt sich trotzdem: Mit den Gütesiegeln Naturemade Basic und Naturemade Star bekommen Hausbesitzer die Garantie, dass der bezogene Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Sonne, Wind und Biomasse stammt. Für jede verkaufte Kilowattstunde aus Naturemade Star zertifizierten Wasserkraftwerken fliesst zudem ein Rappen in einen Fonds, mit dem Projekte für Natur und Umwelt finanziert werden.

Damit ermöglicht man zum Beispiel, Gewässer zu revitalisieren und Landschaften zu renaturieren. Das verbessert nicht nur den Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen, sondern schafft auch Naherholungsräume für die Anwohner.

Foto: Kraftwerk Centrale de Vessy

Kraftwerksbetreiber, die Ökostrom produzieren, beteiligen sich am Gewässerschutz.

NEU GESCHAFFENE NATUROASE

Ein gelungenes Beispiel für eine Renaturierung ist das Projekt «Chly Rhy» bei Rietheim im Kanton Aargau. Seine Renaturierung war unter anderem möglich durch Geld aus dem Naturemade-Star-Fonds des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz). Der «Chly Rhy» ist ein Seitenarm des Rheins bei Rietheim im Kanton Aargau. Durch das Entfernen von Aufschüttungen ist eine wertvolle Auenlandschaft entstanden, Tümpel und Sandbänke bereichern heute den Uferbereich. Mit der Rückkehr des Wassers sind auch die auentypischen Arten zurückgekehrt: Schwarzpappel und Silberweide, Amphibien und Eisvögel. Die menschlichen Besucher können dank Picknickplätzen und Beobachtungsposten ebenfalls die neue Naturoase geniessen. Mit Ökostrom schützt man also nicht nur das Klima, sondern fördert auch die heimische Natur.

MIT DER RÜCKKEHR DES WASSERS SIND AUCH DIE AUENTYPISCHEN ARTEN ZURÜCKGEKEHRT

ZWECKGEBUNDENE GELDER

Die spezifischen Massnahmen vereinbart das Fondsgremium mit den Betreibern eines Kraftwerks, den lokalen Behörden sowie Umweltschutzorganisationen. Mit den Mitteln aus dem Fonds dürfen keine Massnahmen finanziert werden, welche der Erfüllung der Zertifizierungskriterien dienen – sie dürfen also nur zweckgebunden, für den Umweltschutz eingesetzt werden. Zentrale Massnahmen sind, neben der Renaturierung von Flussläufen, zum Beispiel der Einbau von Fischtreppen bei Wasserkraftwerken oder das Anlegen von Tümpeln für Amphibien.

Doch kommt Ökostrom nicht nur aus Wasserkraftwerken. Ebenso wird mit Sonne, Wind und Biomasse umweltfreundlicher Strom erzeugt. Für die Zertifizierung des Stroms sorgt der Verein für umweltgerechte
Energie VUE, der das Gütesiegel «Naturemade» vergibt. Der Verein ist Partner von EnergieSchweiz, zudem garantieren unter anderem der WWF, ProNatura und das Schweizerische Konsumentenforum kf für dessen Unabhängigkeit.

TIPP

VIRTUELLER HANDEL

Wie können Hausbesitzer Ökostrom beziehen? In der Schweiz üblich ist das Aufpreismodell, bei dem zum Stromgrundpreis ein zusätzlicher Aufpreis für den ökologischen Mehrwert bezahlt wird. Der Ökostrom wird also nicht physisch zu den Kunden geleitet. Auch Kraftwerke, die Ökostrom produzieren, leiten diesen ins bestehende Stromnetz. Der Verkauf findet daher virtuell anhand der Produktionsbilanz statt.

Stromkunden können jedoch nur soviel Ökostrom aus dem Netz beziehen, wie vorher eingespeist wurde. Trotz der breiten Akzeptanz von Naturemade-zertifiziertem Strom spielen auch andere Ökostrom-Zertifikate in der Schweizer Strombranche eine Rolle. Dies vor allem beim Handel mit dem Ausland, wo sich die deutschen TÜV-Zertifikate und andere Labels etablieren konnten. Es gibt ausserdem Stromunternehmen, denen die Anforderungen an ein Naturemade-Label zu weit gehen und die deshalb eigene Ökostromlabels schaffen. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt und darf frei verwendet werden. Allgemeine Einigkeit herrscht nur darin, dass Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen stammen muss.

NICHT ALLES IST ÖKOSTROM

In der Schweiz gibt es zwei Gütesiegel für zertifizierten Strom: Naturemade Basic und Naturemade Star. Alle Naturemade-zertifizierten Anlagen liegen dabei garantiert unter dem von Naturemade definierten Grenzwert der Umweltbelastung – er beträgt maximal 50 Prozent eines modernen Gas-Dampf-Kombikraftwerkes. Die Produzenten von solchem Strom sorgen zudem dafür, dass dank eines Umweltmanagementsystems die betriebliche Umweltleistung laufend verbessert wird.

Beide Zertifizierung stehen also für Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen wie Wasser, Sonne, Biomasse und Wind. Allerdings bezeichnet nur Naturemade Star Öko-Strom. Dieser ist besonders umweltschonend. Das Label bürgt dafür, dass Stromproduzenten strenge und umfassende ökologische Auflagen erfüllen. Bei der Produktion wird daher auch auf die umgebende Natur Rücksicht genommen, nicht nur auf das Klima. Dieser Schutz und die Aufwertung der Umgebung ist vor allem bei der Nutzung der Wasserkraft zentral.

WEITERE INFORMATIONEN

Auf der Website von Naturemade sind alle Anbieter von Ökostrom ersichtlich: www.naturemade.ch