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Heizen und Lüften: Das kleine 1 x 1

Nicht alles, was auf den ersten Blick simpel erscheint, ist es auch. Zum Beispiel Heizen und Lüften.

Text — Raphael Hegglin

 

Einige wenige Massnahmen können genügen, um den Heizenergie-Verbrauch um rund 15 Prozent zu senken, schreibt EnergieSchweiz in der kostenlosen Broschüre «Heizen mit Köpfchen». Oder anders ausgedrückt: Wer einige Tipps beachtet, heizt jedes sechste Jahr gratis. Teilweise helfen schon einfache Massnahmen, um den Energieverbrauch spürbar zu senken.

So reduzieren Möbel, Vorhänge und andere Gegenstände, die vor einem Heizkörper platziert sind, dessen Wärmeabgabe spürbar. Die Heizung muss dann mehr leisten, um einen Raum auf die gewünschte Temperatur zu bringen – während es zwischen Möbel oder Vorhang und Heizkörper zu einem Wärmestau kommt. Deshalb sollte alles entfernt werden, das die freie Wärmeabgabe verhindert.



SAUBERKEIT GEHT VOR

Auch Staub wirkt sich negativ auf den Wärmeverbrauch aus: Verschmutzte Heizkörper können die Wärme weniger effizient an die Raumluft abgeben. Zudem kann Staub auf heissen Heizkörpern zu Feinstaub in der Luft werden. Dieser reizt die Atmungsorgane in der ohnehin schon heiklen Winterzeit zusätzlich. Staub im Heizkeller ist ebenfalls nicht erwünscht. Da jede Verbrennung Sauerstoff – und damit Luft – benötigt, beeinträchtigt staubbelastete Luft den Verbrennungsprozess negativ und führt zudem zu einem erhöhten Schadstoffausstoss. Heizkeller sollten daher mindestens einmal pro Jahr, vor der Heizperiode, gereinigt werden.

Beim Einschalten der Heizung sollte man dann prüfen, ob die Heizkörper tatsächlich warm werden. Dies muss nach etwa 30 Minuten der Fall sein, ansonsten ist vermutlich entweder der Brenner oder die Heizpumpe ausser Betrieb. Falls es im Heizkörper plätschert, befindet sich Luft darin. Dann ist Entlüften erforderlich. Dazu hält man ein Gefäss unter das Entlüftungsventil des Heizkörpers und öffnet es langsam. Nun strömt zuerst die Luft aus, bis Heizungswasser folgt. Das Ventil wird anschliessend wieder geschlossen, die Heizung kann nun einwandfrei arbeiten. Bei alten Heizungen ist es eventuell erforderlich, mehrmals pro Heizperiode zu entlüften.

TIPP

GUT GELÜFTET – GUTES RAUMKLIMA

Die Heizung sollte drei Stunden vor der üblichen Schlafenszeit von Vollbetrieb auf Reduzierbetrieb schalten (Bilder 4B AG).

Lüften durch ein gekipptes Fenster: Der Luftaustausch ist begrenzt, der Energieverlust erheblich.

Stosslüften in den geschlossenen Raum: Der Luftaustausch ist gut, wenn auch begrenzt.

Stosslüften durch einen geöffneten Raum: Die Luft kann ungehindert strömen.

SOVIEL HEIZEN WIE NOTWENDIG

In nicht regelmässig genutzten Räumen wie Gästezimmern oder einer Hobbywerkstatt sollte man auf Sparflamme heizen. Das klingt banal, geht aber oft vergessen. Allgemein sollten die Temperaturen den Aktivitäten in den jeweiligen Räumen angepasst sein (Tabelle). Denn: Wenn sich die Raumtemperatur um
ein Grad erhöht, steigt der Heizenergieverbrauch um rund sechs Prozent. Drei Grad mehr oder weniger in einem Schlafzimmer macht also durchaus einiges aus. Ebenso lassen sich bei programmierbaren Heizungen die Betriebszeiten an die Lebensgewohnheiten anpassen. Es lohnt sich, immer mal wieder die Zeitschaltuhren zu überprüfen.

TIPP


EMPFOHLENE RAUMTEMPERATUR

Raum Temperatur Position Thermostatventil
Badezimmer 23 °C Position 4
Wohn - / Aufenthaltsbereich 20 °C Position 3
Schlafzimmer / Flur 17 °C Position 2
wenig genutzte Räume unter 18 °C Position *

THERMOSTATVENTILE INSTALLIEREN

Auch in die Jahre gekommene Heizsysteme lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand optimieren. Besonders empfehlenswert ist die Installation von Thermostatventilen an den Heizkörpern. Sie halten die Temperatur in einem Raum auf konstantem Niveau und gleichen Wetterschwankungen aus. Das steigert nicht nur den Komfort, sondern senkt den Heizenergieverbrauch laut EnergieSchweiz um rund 20 Prozent. Mittlerweile sind sogar elektronische Thermostatventile erhältlich. Sie lassen sich programmieren, womit die Betriebszeiten einer Heizung an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden können. Auch alte Heizungen lassen sich mittels elektronischer Thermostatventile auf Nachtabsenkung schalten oder fahren die Heizung für die Dauer einer längeren Abwesenheit herunter. Vor der Heimkehr schaltet sie dann automatisch auf Normalbetrieb, sodass alle Wohnräume rechtzeitig wieder warm sind.

TIPP


ENERGIE SCHWEIZ EMPFIEHLT:

BODENHEIZUNGEN:

  • Die Heizung sollte drei Stunden vor der üblichen Schlafenszeit von Vollbetrieb auf Reduzierbetrieb schalten.
  • Sie sollte zwei bis drei Stunden vor der gewohnten Weckzeit wieder auf Vollbetrieb schalten.
  • Wenn tagsüber niemand im Haus ist, sollte die Anlage auf Reduzierbetrieb arbeiten und zwei bis drei Stunden vor dem Nach-Hause-Kommen auf Vollbetrieb schalten.


RADIATORHEIZUNGEN:

  • Die Heizung sollte mindestens eine Stunde vor der üblichen Schlafenszeit auf Reduzierbetrieb schalten.
  • Sie sollte eine Stunde vor der gewohnten Weckzeit von Reduzierbetrieb wieder auf Vollbetrieb schalten.
  • Wenn tagsüber niemand im Haus ist, sollte die Anlage auf Reduzierbetrieb arbeiten und eine Stunde vor dem Nach-Hause-Kommen auf Vollbetrieb schalten.

DIE WÄRME SOLL DRINNEN BLEIBEN

Durch falsches Lüften geht viel Wärme verloren. Am schlimmsten sind ständig geöffnete Kippfenster.
Sie verbessern die Luftqualität im Haus kaum, gleichzeitig heizt man durch sie nach draussen. Und nicht nur das: Durch die dauernd ausströmende Luft kann sich Kondensat an der Fassade bilden. Nicht selten ist dieses Grund für Schimmelwachstum. Wie also lüftet man fachgerecht? Dreimal täglich je fünf bis zehn Minuten Stosslüften sind ideal – am besten morgens, mittags und abends. Ebenfalls sollte man nach dem Kochen und dem Bügeln lüften, denn dadurch entsteht viel Wasserdampf. Das kurze Stosslüften reicht aus, um die Luft in einem Haus auszutauschen, ohne dass sich die Innenwände dabei merklich abkühlen.