Leben auf grossem CO2 Fuss

Energiesparen erfordert nicht zwingend Verzicht – weder beim Wohnen noch bei der Mobilität. Wer die wichtigsten Tricks kennt, spart Geld und schont die Umwelt.

Text — Raphael Hegglin

 

«Das Erdöl ist eine nutzlose Absonderung der Erde – eine klebrige Flüssigkeit, die stinkt und in keiner Weise verwendet werden kann»: so die Meinung an der Akademie für Wissenschaften in St. Petersburg im Jahre 1806. Am Ende des selben Jahrhunderts sollte Rudolf Diesel seine Verbrennungsmaschine erfinden. Sie ging später als Dieselmotor in die Geschichte ein. Nachdem kurz darauf Schiffe, Autos und andere Fahrzeuge auf der ganzen Welt mit fossilen Kraftstoffen betrieben wurden, folgten Öl- und Gasheizungen. Sie sorgten für angenehme Temperaturen in den Häusern und erhöhten den Wohnkomfort markant. Lange Zeit waren fossile Brennstoffe fast die einzige Energiequelle. Auch heute noch decken sie über 50 Prozent des Schweizer Energiebedarfs – weltweit sind es gar rund 90 Prozent. Ohne Heizöl, Benzin, Diesel, Kerosin und Kohle würde unsere Welt stillstehen. Doch: Werden fossile Brennstoffe verbrannt, entsteht dabei das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2).

Mobilität und Haushalt hinterlassen grosse ökologsiche Fussabdrücke.

ZWEI SCHUHNUMMERN ZU GROSS

In den westlichen Ländern – und zunehmend auch in den Entwicklungsländern – lebt man auf grossem CO2-Fuss. Was den ökologischen Fussabdruck betrifft, so tragen Herr und Frau Schweizer durchschnittlich Schuhgrösse 5. Die Biokapazität unseres Landes entspricht indes bloss einer Grösse von etwa 1,2 pro Kopf, die der ganzen Welt 2,8. Das heisst, die Schweiz verbraucht fast doppelt so viel Energie und Ressourcen, wie unser Planet hergibt. Was tun? Der Bund setzt auf die Energiestrategie 2050: Bis 2050 soll eine 2000-Watt- und eine 1,5-Tonnen-CO2-Gesell-schaft Realität sein. Heute benötigt jeder Einwohner eine durchschnittliche Leistung von 6400 Watt und produziert rund sechs Tonnen CO2 pro Jahr. Die Strategie des Bundes sieht zwei Massnahmen vor: So soll die Energieeffizienz in den Haushalten, Betrieben und bei der Mobilität gesteigert werden, ausserdem sollen zunehmend erneuerbare Energien zum Zuge kommen. In einem zweiten Schritt sind ab 2020 Lenkungsmassnahmen sowie eine ökologische Steuerreform vorgesehen.

ENERGIE WIRD TEURER

Energiesparen muss nicht zwangsläufig Verzicht bedeuten. Wem es gelingt, die Energieeffizienz seines Gebäudes und seiner Mobilität zu steigern, verbraucht weniger Energie, ohne Abstriche zu machen. Zudem lässt sich im Alltag mit einfachen Tricks Energie sparen. Energiesparen ist nicht nur gut für die Umwelt, es lohnt sich auch monetär – und das in Zukunft immer mehr. Laut Studien der ETH und anderer Institutionen dürfte sich Energie in den nächsten 10 bis 20 Jahren massiv verteuern. Die Forscher rechnen mit bis zu 30 Prozent höheren Preisen für fossile Brennstoffe. Wo aber verbrauchen wir am meisten Energie? Die Löwenanteile machen Heizen mit 33 Prozent und Mobilität mit 30 Prozent aus. Hier kann man viel bewirken: Am meisten Energie lässt sich bei der Mobilität durch das Verhalten sparen. Die meisten Tipps dazu sind nicht neu: Kurze Strecken zu Fuss oder per Velo, längere Strecken wenn möglich per Bahn oder Bus. Doch auch wer nicht aufs Auto verzichten möchte, kann einen wertvollen Beitrag leisten: Effizientes Fahren nach der Eco-Drive-Methode spart bis zu 15 Prozent Treibstoff. Weiteres Einsparpotenzial bieten Reifen mit wenig Rollwiderstand. Denn: Rund 20 Prozent des Treibstoffverbrauchs entfallen auf die Reifen. Seit dem letzten Jahr ist die Reifenetikette für die Schweiz obligatorisch. Sie hilft, sichere, leise und energiesparende Reifen zu finden. Und die Energieetikette für das Fahrzeug gibt Auskunft darüber, wie effizient dieses ist. Allerdings: Wer alleine in einem effizienten 7-Plätzer unterwegs ist, verbraucht oft mehr Treibstoff als der Alleinfahrender in einem ineffizienten Kleinwagen.

Beispiel eines Einfamilienhauses mit schlechter Wärmedämmung

GROSSES POTENZIAL BEI ALTBAUTEN

Ohne Abstriche lässt sich auch im Gebäudebereich Energie sparen. Ein nach heutigem Stand energetisch modernisierter Altbau aus den 1970er-Jahren verbraucht, verglichen mit seinem Originalzustand, etwa 75 Prozent weniger Heizwärme. Eine gute Wärmedämmung und neue Fenster sorgen nicht nur für tiefere Heizkosten, sondern auch für ausgeglichene Innentemperaturen und somit für mehr Wohnkomfort. Das hat zur Folge, dass tiefere Raumtemperaturen ausreichen, um sich wohlzufühlen. Denn in Altbauten können sich die Wände gegen aussen im Winter stark abkühlen. Wer in der Nähe einer solchen Wand sitzt, kann auch Raumtemperaturen von über 20 Grad als nicht ausreichend empfinden. Dies, weil es sich anfühlt, als würden die kalten Wände Kälte abstrahlen – bzw. physikalisch korrekter: Köperwärme absaugen.

Nicht nur mittels verbesserter Wärmedämmung lässt sich Energie sparen und der CO2-Ausstoss reduzieren: Auch überalterte Heizungsanlagen bieten grosses Energiesparpotenzial. Grundsätzlich sollte bei einem bevorstehenden Heizungsersatz die Verwendung erneuerbarer Energiequellen geprüft werden. Holzbrennstoffe schneiden punkto CO2-Bilanz besonders gut ab. Ebenfalls umweltfreundlich sind Wärmepumpen, ihr ökologischer Fussabdruck hängt allerdings vom eingesetzten Strom ab. Auch wer weiterhin auf fossile Brennstoffe setzt, kann viel für die Umwelt tun: So benötigen moderne Öl- und Gasheizungen mit Brennwerttechnik rund 15 Prozent weniger Brennstoff, verglichen mit alten Brennern. Zusätzlich lässt sich die CO2-Bilanz fossiler Heizungen mit Bio-Öl oder Biogas zusätzlich verbessern.

DER EXPERTE

Marco Nani
Produktmanagement
Hoval AG
 

«ACHTEN SIE AUF DURCHGÄNGIGE SYSTEMTECHNOLOGIE»


Eine Heizanlage ist ein komplexes Gesamtsystem mit vielen Komponenten. Immer häufiger werden auch unterschiedliche Arten von Wärmeerzeugern mit verschiedenen Energieformen miteinander kombiniert (bivalente oder multivalente Systeme). Für einen zuverlässigen Betrieb und einen bestmöglichen Wirkungsgrad muss ein perfektes Zusammenspiel aller Einzelteile gewährleistet sein. Bei einem seriösen Anbieter ist das garantiert. Denn ein Komplettanbieter liefert erprobte und bewährte Systeme für alle Energieformen. Eine durchgängige System- und Regeltechnik schafft eine verlässliche Plattform für effiziente, umweltschonende und betriebssichere Lösungen.

DIE SONNE ALS PLUS

Mit Sonnenkollektoren lässt sich ein Teil des Wärmebedarfs für Warmwasser und Heizung decken – CO2-neutral und ohne auf ein Netzwerk angewiesen zu sein. Solarkollektoren werden hauptsächlich zum Erwärmen des Brauchwassers oder als Kombianlagen zusätzlich zum Vorwärmen des Heizungswassers
eingesetzt. Am rentabelsten sind Anlagen, die nur das Brauchwasser erwärmen. Sie machen etwa zwei Drittel aller in der Schweiz installierten Anlagen aus.

Mit ein bis eineinhalb Quadratmetern Kollektorfeld pro Person lassen sich 60 bis 70 Prozent des Wassers für einen Haushalt erwärmen. Bei Einfamilienhäusern sind Anlagen von vier bis sechs Quadratmetern Fläche Standard. Kompaktanlagen dieser Grösse liefern pro Jahr bis zu 2700 Kilowattstunden Energie, was etwa 270 Litern Heizöl entspricht. Wer noch weitergehen will, produziert dazu eigenen Strom mit einer Photovoltaikanlage und nutzt so die Kraft der Sonne in doppelter Hinsicht. Oft ist also nicht ein spezifisches Heizsystem ausschlaggebend für die Umweltbilanz, sondern die kluge Kombination verschiedener Systeme.