Foto: Eternit (Schweiz) AG

Schrittweise zum neuen Heim

Am liebsten alles auf einmal: Ist ein Haus alt und renovationsbedürftig, kommt nicht selten der Wunsch nach einer Gesamtsanierung auf. Wer ein fachgerecht erstelltes Konzept hat, kann es auch langsam angehen – und profitiert oft von mehr Steuerabzügen.

Text — Raphael Hegglin

 

Sanierungen sind komplex. Aus Notwendigem und Wünschen entsteht eine lange Kette: Dem Ersatz der
Heizung sollte die Sanierung und Dämmung der Gebäudehülle vorangehen. Gleichzeitig liesse sich der Dachstock zum Wohnraum ausbauen. Doch nicht genug: Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, um das Raumkonzept neu zu überdenken. Mit dem Herausreissen von Wänden würde der Wohnraum offener, heller, zeitgemässer. Eine neue Küche und ein neues Bad würden das Ganze abrunden und das alte Eigenheim zum neuen Traumschloss machen. Soweit die Theorie. In der Praxis ufern die Kosten schon in der Planungsphase aus und die Bauherren in spe sind gewungen, bei ihrer fertiggestellten Wunschliste den Rotstift anzusetzen. Nicht selten müssen sie sich dann zwischen mehr Wohnqualität durch Innenausbau und mehr Energieeffizienz entscheiden. Den Rotstift kann getrost in der Schublade lassen, wer vorausschaut. Und das heisst in erster Linie: Eine Gebäudemodernisierung sollte schon geplant werden, wenn sie noch nicht zwingend notwendig ist. Denn wers langsam angeht, hat mehr Spielraum und kann sein Wunschhaus auch mit begrenztem Budget realisieren.

Vorher

Foto: Eternit (Schweiz) AG

Vor der Sanierung wirkte das Haus wenig anziehend.

Nachher

Foto: Eternit (Schweiz) AG

Ein neuer Auftritt und eine gute Energieeffizienz.

DEN WÜNSCHEN FREIEN LAUF LASSEN

Erfolgsentscheidend sind schrittweises Vorgehen und ein fachgerechtes Sanierungskonzept. Den ersten Schritt dabei können Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer alleine tun: Eine Liste mit allen Wünschen erstellen – dies möglichst unbelastet und ohne Gedanken, ob etwas finanziell oder technisch überhaupt möglich ist. Wichtig dabei: Nicht zu sehr auf die momentane Wohnsituation fokussieren. Denn die kann sich schnell ändern, etwa wenn die Kinder ausziehen oder einer der Bewohner gebrechlich wird. Auf die Wunschliste folgt – in Zusammenarbeit mit Fachleuten – eine detaillierte Gebäudeanalyse. Sie zeigt auf, was gebäudetechnisch notwendig ist. Zur modernen Küche und zum grösseren Bad gesellt sich dann meist eine neue Fassade mit Wärmedämmung und ein Heizungsersatz. Erst dann lässt sich das Wünschenswerte und das unbedingt Notwendige mit den eigenen Finanzen in Einklang bringen. Meist gilt dann: Je mehr sich etappieren lässt, desto mehr wird finanziell möglich. Aufteilen und Prioritäten setzen kann allerdings nur, wer plant, bevor dringende Reparaturen oder ein längst fälliger Heizungsersatz den Ablauf bestimmen.

INFO

Die grössten Stolpersteine

  • Nicht aufeinander abgestimmte Bauteile können die Bauphysik verändern (Feuchtigkeit, Schimmel).
  • Ein begrenztes Budget verleitet zu günstigen, aber kurzlebigen Baumaterialien. Hochwertige Materialien lohnen sich meist!
  • Das Gebäude wird zu spezifisch auf momentane Situation hin saniert. Sinnvoller sind aber flexible Konzepte.
  • Fachleute werden zu wenig sorgfältig ausgewählt. Offerten vergleichen und Referenzen überprüfen!

PAKETE SIND VORGEGEBEN

Um ein Sanierungskonzept zu erstellen, sind seriöse Fachleute unverzichtbar. Denn die Sanierung einzelner Bauteile nimmt Einfluss auf das ganze Haus. In falscher Reihenfolge oder mit unpassenden Materialien saniert, kann es zu Problemen wie zum Beispiel Feuchtigkeit in den Innenräumen und Schimmelpilzwachstum kommen. Die Reihenfolge einer etappenweisen Sanierung ist deshalb mehr oder weniger vorgegeben, Baufachleute schlagen folgende Pakete vor:

1. Ersatz der Fenster, neuer Sonnenschutz, Wärmedämmung der Fassade
2. Wärmedämmung des Daches oder des Estrichbodens und der Kellerdecke
3. Heizungsersatz
4. Innenausbau: Küche, Bad, neue Leitungen

Vorher

Nachher

ERFOLG DURCH GUTE PARTNER

Steht das Sanierungskonzept, kommt der letzte Schritt vor der Hausmodernisierung: die Suche nach geeigneten Fachleuten und das Vergleichen von Offerten. Wichtig sind dabei Referenzobjekte. Denn: Nicht alle Planer und Handwerker sind in Bezug auf Altbauten erfahren genug. Da jedoch jeder Altbau etwas Besonderes ist, muss individuell und fachgerecht saniert werden. Sonst können die Kosten leicht ausser Kontrolle geraten oder später Baumängel auftreten. Bei der langen Lebensdauer eines Hauses ist Qualität besonders wichtig. Ein weiterer wichtiger Punkt ist deshalb die Wahl der Baumaterialien. So wird zum Beispiel vermeintlich beständiger Kunststoff im Sonnenlicht oft brüchig. Natürliche Materialien wie Holz, Naturstein und Metall halten hingegen meist länger und sind auf die gesamte Lebensdauer betrachtet günstiger. Bei Gebäudesanierungen zahlt sich Qualität der Arbeit und der verwendeten Materialien immer aus.

INFO

Etappenweise zur Minergie

Eine Minergie-Sanierung ist komplex und erfordert eine umfassende Planung. Minergie hat deshalb die so genannten Minergie-Module lanciert. Damit sind energetisch relevante Bauteile wie «Wand und Dach», «Fenster» und «Türen» in Minergie-Qualität gemeint. Ein konsequent mit Minergie-Modulen saniertes Haus erfüllt automatisch die Kriterien des Minergie-Standards. Der Qualitätsnachweis wird dadurch erheblich vereinfacht. Ebenso erleichtern Minergie-Module etappenweises Sanieren: Komplizierte eigene Berechnungen durch den Architekten entfallen. Die Bauherrschaft kann sich darauf verlassen, dass ihr Haus am Schluss den gewünschten Standard erreicht. Sanieren mit Minergie-Modulen schränkt die architektonische Vielfalt wenig ein, da mittlerweile eine Vielzahl an verschiedenen Bauteilen zur Auswahl stehen. Auch wenn die Minergie-Module eine Sanierung erheblich vereinfachen, ist der Beizug eines erfahrenen Minergie-Fachpartners empfohlen. Diese bilden sich regelmässig mit Kursen weiter.
Eine Liste der Fachpartner befindet sich auf der Website von Minergie unter: www.minergie.ch