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Als Warmduscher die Umwelt schonen

Eine gut gedämmte Gebäudehülle ist das A und O des umweltfreundlichen Wohnens. Aber bei weitem nicht die einzige Massnahme, mit der sich Energie sparen und die Umwelt schonen lässt.

Text — Thomas Bürgisser

 

GRATISWÄRME VON OBEN

Bei gut gedämmten Häusern wird knapp die Hälfte des Wärmebedarfs für das Brauchwasser verwendet. Es lohnt sich also, auch beim Warmwasser auf nachhaltige Lösungen zu setzen. Nicht nur aus energetischer, sondern auch aus finanzieller Sicht. Eine weit verbreitete Lösung ist beispielsweise die thermische Solaranlage. Auf dem Dach werden dafür Sonnenkollektoren installiert, mit der dort gesammelten Wärme wird das Brauchwasser aufgeheizt. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus lassen sich so rund 60 bis 70 Prozent des jährlichen Energiebedarfs für Warmwasser decken, und dies bereits mit einer Kollektorfläche von sechs Quadratmetern für eine vierköpfige Familie. Rund 12‘000 Franken muss man als Investition rechnen – jedoch erhält man in den meisten Kantonen Förderbeiträge

Foto: Hoval
Foto: Hoval

Ob Mehrfamilien- oder Einfamilienhaus: Wichtig ist, dass die Anlage auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

GEGENSEITIGE UNTERSTÜTZUNG

In den Sommermonaten sollte die Sonnenenergie ausreichen, um sämtliches Warmwasser abzudecken. Anders sieht es jedoch in den trüben Wintermonaten aus. Dann benötigen thermische Solaranlagen beziehungsweise deren Wasserspeicher meist eine Möglichkeit zum Nachheizen. Zum Beispiel bietet sich die Kombination mit der Zentralheizung an.

Foto: Hoval

SOLARTHERMIE MIT HOLZHEIZUNG
Diese Kombination ist punkto Umweltbilanz kaum zu toppen: Im Sommer reicht die Kraft der Sonne, im Winter arbeitet zusätzlich der Holzpellet-Heizkessel.

Basiert diese etwa auf einer Wärmepumpe oder auf einer Holzheizung, nutzt man auch so erneuerbare Energie. Übrigens kann die Unterstützung auch gegenseitig sein: Wenn sich im Winter die Sonne dann doch zeigt, setzen Sie das über die thermische Solaranlage gewonnene Warmwasser am besten auch gleich noch zur Heizungsunterstützung ein.

DIE EXPERTIN

Nathalie Spiller,
Leiterin Technik und Innovation
bei Swissolar

«SICH FRÜHZEITIG NACH VORSCHRIFTEN ERKUNDEN»


Nathalie Spiller, wie viel Fördergeld erhalte ich für eine thermische Solaranlage?
Dies ist kantonal geregelt, dank eines inzwischen harmonisierten Fördermodelles geben aber fast alle Kantone gleich viel, abhängig davon, wie effizient die gewählten Solarmodule sind. Das können dann zwischen 3000 und 6000 Franken sein, je nachdem aber auch weniger oder mehr. Etwas komplizierter ist es in den Kantonen Zürich, Aargau und Zug, die eine andere Förderstrategie fahren. Eine gute Übersicht inklusive Fördergeldrechner findet sich auf swissolar.ch unter Bauherren/Förderung.

Welche Vorschriften muss ich beachten, wenn ich eine Solarthermieanlage installiere?
Grundsätzlich braucht es dafür eine Baubewilligung, seit 2014 reicht jedoch meist das vereinfachte Baubewilligungsverfahren, das heisst eine Meldung an die Gemeinde. Eine Ausnahme bilden zum Beispiel Schutzzonen. So oder so erkundigt man sich aber am besten frühzeitig bei der Gemeinde nach den Vorschriften.

Hilft mir eine Solarthermieanlage auch, Vorschriften zu erfüllen?
Tatsächlich sehen die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich aus dem Jahr 2014 vor, dass man etwa beim Ersatz einer alten Öl- oder Gasheizung künftig auch einen Teil der Wärme aus erneuerbarer Energie decken muss. Hier ist eine thermische Solaranlage die häufigste Lösung. Nicht alle Kantone haben diese Mustervorschriften jedoch gleich umgesetzt, teilweise laufen auch noch die Diskussionen dazu. Auch hier geben die jeweilige Gemeinde oder der Kanton Auskunft zum aktuellen Stand.

DER WÄRMEPUMPENBOILER

Wer lieber Strom anstatt Wärme aus der Sonnenenergie gewinnt, kann auch diesen für das Warmwasser einsetzen. Nicht etwa für einen Elektroboiler: Die Wassererwärmung via Strom ist energetisch sehr ineffizient, der Neueinbau von Elektroboilern deshalb inzwischen grösstenteils verboten. Aber zum Beispiel für den Betrieb der Warmwasser-Wärmepumpe. Diese nutzt die Aussen oder Umgebungsluft für das Aufwärmen des Wassers.

TIPP

DER WÄRMEPUMPENBOILER IST AUCH EIN WÄSCHETROCKNER

Ein Wärmepumpenboiler entzieht der Aussen- oder Umgebungsluft Wärme und heizt damit den Boiler auf. Natürlich macht dies in einem Wohnraum keinen Sinn, ein idealer Standort ist aber zum Beispiel der Kellerraum. In der Regel reichen 20 Kubikmeter Raumgrösser sehr gut aus, damit der Boiler einzig mit der Umgebungsluft arbeiten kann. Oder aber, man lässt schlicht die Raumtüre geöffnet. Besonders clever kombinieren Sie ausserdem, wenn Sie den Wärmepumpenboiler in der Waschküche beziehungsweise im Wäschetrocknungsraum aufstellen. Denn mit der Wärme entzieht der Boiler der Umgebungsluft auch Feuchtigkeit, Sie erhalten also praktisch gratis einen Luftentfeuchter dazu – oder eben einen Wäschetrockner.

Für die Pumpe benötigt der Wärmepumpenboiler ebenfalls Strom, jedoch gut dreimal weniger als ein Elektroboiler. Rund 4000 Franken, exklusive Installationen, muss man für einen durchschnittlichen Wärmepumpen-Boiler rechnen. Für eine vierköpfige Familie wählt man am besten eine Speichergrösse von 300 Liter. Und wenn es dann doch mal mehr Wasser sein soll, hilft notfallmässig meist doch noch ein Elektro-Heizeinsatz weiter.

Foto: Oekoswiss Supply AG

EIN WÄRME- PUMPENBOILER
kann nicht nur für Warmwasser, sondern auch zum Trocknen, Lüften oder Kühlen genutzt werden.

NICHTS VERSCHWENDEN!

Eine Wärmepumpe kommt auch dann zum Einsatz, wenn man die kontrollierte Wohnungslüftung zur Wassererwärmung nutzt, beziehungsweise die Wärme aus der Abluft. Die Planung und Umsetzung eines solchen Systems ist jedoch komplex, ausserdem sollte immer zuerst die Zuluft von dieser Wärme profitieren. An anderer Stelle kann die Wärme jedoch problemlos entzogen und fürs Wasser genutzt werden: Durchschnittlich zwölf Liter Warmwasser pro Minute verbrauchen wir beim Duschen – und all das Brauchwasser, das wir nun so nachhaltig aufgeheizt haben, fliesst nach wenigen Sekunden wieder den Abfluss hinunter.

Foto: Joulia SA

Ein in die Duschrinne integriertes Wärmerückgewinnungssystem.

Wieso also nicht die Wärme ein zweites Mal nutzen? Zum Beispiel mit einem Wärmerückgewinnungssystem, bei welchem dem gebrauchten Wasser die Wärme direkt in der Duschrinne mittels Wärmetauscher entzogen und damit das zufliessende Kaltwasser schon mal vorgewärmt wird. Entsprechend weniger Warmwasser braucht es beim Mischer. Rund 1500 Franken, exklusive Installationen, investieren Sie für diese Lösung zum Beispiel des Bieler Unternehmens Joulia SA. Und duschen dafür dann endgültig ohne schlechtes Gewissen warm.

CHECKLISTE

10 TIPPS: SO SPAREN SIE WARMWASSER!

  1. Achten Sie bei Sanitärprodukten konsequent auf die Energieklasse A.
     
  2. Rüsten Sie auch bei vorhandenen Armaturen Wasserspareinsätze nach.
     
  3. Besonders clever sind Armaturen beziehungsweise Thermostate mit Temperatur und/oder Wassersperre, die ab einem gewissen Punkt zuerst gelöst werden müssen.
     
  4. Waschen Sie Ihre Hände nur mit lauwarmem anstatt heissem Wasser.
     
  5. Drehen Sie das Wasser während des Zähneputzens ab.
     
  6. Duschen anstatt baden: und auch das nicht zu lange!
     
  7. Installieren Sie ein Messgerät zum Beispiel am Duschschlauch, das Ihnen ein direktes Feedback zum Wasser- und Energieverbrauch gibt – da wird Wassersparen fast schon zum Spiel!
     
  8. Waschen Sie das Geschirr nicht unter fliessendem Wasser ab.
     
  9. Lassen Sie Waschmaschine und Geschirrspüler nur laufen, wenn sie wirklich gefüllt sind.
     
  10. Die meiste Wäsche kann auch bei 30 oder sogar weniger Grad gewaschen werden. Was das bringt? Eine 60-Grad-Wäsche verbraucht doppelt so viel Energie wie eine 40-Grad-Wäsche oder sogar dreimal so viel wie eine 30-Grad-Wäsche.