Foto: Agata Gładykowska/123rf.com

Branded content

Entwicklung der Heiztechnik - Teil 2

Heizöl löste Kohle in den 1950er-Jahren ab. Das effizientere Erdgas
eroberte den Markt ab den 1970er-Jahren.

Text — Hubert Palla

 

Anfang des 20. Jahrhunderts verdrängte das Warmwasserheizsystem die Dampfheizung endgültig. 1905 entwickelte Vaillant den Gasbadeofen Geyser in Wandausführung. Mit der wandhängenden Ausführung des Geyser war nun die geschlossene Warmwasseraufbereitung auch in engen Platzverhältnissen möglich. Pioniere im Heizungsbau waren unter anderem die Gebrüder Buderus. Sie produzierten 1920 die ersten Pumpen-Warmwasserheizungen. Die erste komplette Warmwasser-Zentralheizung erhielt 1930 die Wohnanlage «Weisse Stadt» in Berlin. Sie umfasste rund 1200 Wohnungen und wurde nach den Plänen der Berliner Architekten Ahrends, Büning und Salvisberg von 1929 bis 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut.

Die ersten Zentralheizkessel waren noch aus einem kompletten Guss gefertigt. Die Kessel besassen einen grossen Füllschacht für Kohle oder Koks, konnten länger durchbrennen und von Laien betrieben werden.

 

HEIZÖL LÖST KOHLE AB

Anfang der 1950er-Jahre beginnt in der Heiztechnik ein entscheidender Strukturwandel: Heizöl setzt sich immer mehr durch und verdrängt die bis dahin dominierenden Festbrennstoffe – vor allem Koks. Heizöl ermöglicht den vollautomatischen Heizbetrieb und schafft damit die Voraussetzung für die Einführung der Warmwasserheizung in grossem Umfang. Mit der Ölheizung werden auch die trägen Schwerkraftheizungen auf die schnell regelbaren Pumpenwarmwasserheizungen umgestellt.

Mit der sich immer mehr durchsetzenden automatischen Ölfeuerung erhöht sich auch der Komfort der Hausbewohner. Die Industrie entwickelte nun Öl-Spezialkessel, die vollautomatisch heizen und gleichzeitig Warmwasser bereitstellen konnten. Aus den offenen Heizungsanlagen wurden geschlossene und schnell regelbare Heizsysteme.

Foto: Hoval AG

Fertig verpackte Heizungen warten auf die Auslieferung zum Installateur in den 1960er-Jahren.

ERDGAS EROBERT DEN MARKT

Ende der 1960er-Jahre fand neben Heizöl vermehrt auch Erdgas Einsatz in Heizungsanlagen. Die Gasversorger stellten von Stadtgas (Gas aus Kokereien) auf das umweltfreundlichere und effizientere Erdgas um. Weite Teile der Bevölkerung in Europa profitieren nun auch von den Vorteilen einer automatisch betriebenen Zentralheizung. Die bis anhin stark verbreiteten Kohleöfen, die häufig direkt in den Wohnungen platziert waren, verloren nun endgültig an Bedeutung.

 

ERDÖLKRISE IN DEN 1970ER-JAHREN

Als Reaktion auf die Ölkrise 1973 und dem stark gestiegenen Rohölpreis, entwickelte die Heizungsindustrie effizientere und sparsamere Heizgeräte. Die Ära des Niedertemperaturkessels für Heizöl und Erdgas begann. Im Unterschied zur konstanten Vorlauf- und Rücklauftemperatur des Standardkessels von 90/70 °C, stellte die Niedertemperaturheizung durch eine aussentemperaturabhängige Regelung die Vorlauftemperatur der Wärmeverteilung ein. Das Kesselwasser in der Heizung wurde auf die erforderliche Temperatur aufgeheizt.

Den ersten Heizkessel mit dem Niedertemperatursystem stellte das Unternehmen Buderus im Jahr 1977 mit dem Modell «Ecomatic» auf der Internationalen Messe «Sanitär Heizung Klima» in Frankfurt a.M. vor. Die neue Regelungstechnik ermöglichte zudem, die Heizleistung modulierend – also leistungsabhängig – zu regeln. Der Niedertemperatur-Heizkessel besteht aus einer «heissen» Brennkammer, die nicht vom Kesselwasser umspült wird. Der Brenner kann so die Brennkammer schneller aufheizen. Da bei der Niedertemperaturtechnik der Wasserdampf in den Abgasen kondensiert, mussten die Heizungen korrosionsbeständig sein. Gusseisen und Edelstahl erfüllten diese erhöhten Anforderungen.

Foto: Hoval AG

Moderne Heiztechnik steigerte den Wohnkomfort enorm.

DIE GAS-BRENNWERTHEIZUNG

Zu Beginn der 1980er-Jahre waren die Niedertemperaturheizkessel Standard. Die Entwickelung war mit dem Niedertemperaturheizung aber noch lange nicht abgeschlossen. Im Zuge der umweltpolitischen Diskussionen in den 1980er- Jahren entwickelte die Industrie die effizientere Brennwerttechnik Mit ihr lassen sich gegenüber Niedertemperaturkesseln bei Heizöl rund sechs Prozent und bei Erdgas/Biogas rund elf Prozent Brennstoff einsparen. Denn die im Wasserdampf der Abgase enthaltene latente Energie kann mit der Brennwerttechnik nun auch genutzt werden. Voraussetzung dafür sind niedrige Temperaturen im Heizungsrücklauf. Eine Brennwertheizung arbeitet mit grossen Wärmeabgabeflächen – Fussbodenheizung oder grossflächigen Radiatoren – am effektivsten. Mit der Einführung der Brennwerttechnik ab Ender der 1980er-Jahre ging auch der vermehrte Einbau von Fussbodenheizungen einher.

1989 führte Junkers als erster Anbieter eine wandhängende Gas-Brennwert-Kesseltherme ein. Wandthermen besitzen einen geringeren Wasserinhalt als Standheizkessel. Sie erwärmen das Heizungswasser im Durchlaufverfahren. Die kleinen effizienten wandhängenden Brennwert Umlaufwasserheizer gehören bis heute in Europa zu den am häufigsten eingebauten Heizungen in Einfamilienhäuser.

Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit mit Haus Magazin und