Ernteglück im eigenen Garten

Lust auf eigenes Gemüse, frische Kräuter oder Blumenpracht? Zum Anbau von Salat, Salbei und Sonnenblumen braucht es nur einen grünen Daumen und ein paar einfache Hilfsmittel.

Text — Helen Weiss

 

BESCHEIDEN BEGINNEN

Armlange Zucchetti, dicke Salatköpfe und taufrische Kräuter: Wer sein Gemüse direkt im eigenen Garten anbaut, lebt gesund. Die frische Verarbeitung garantiert nicht nur einen hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Die «gluschtige» Auswahl vor der eigenen Haustür animiert auch zu gesunder Ernährung. Doch nicht nur der Verzehr des Gemüses ist für die Gesundheit zuträglich, auch Anzucht und Pflege von Rüebli, Radicchio und Radisli halten fit. Damit einem das Gemüse nicht im wahrsten Sinn des Worts über den Kopf wächst, fängt man als Hobbygärtner besser bescheiden an. Denn auch kleine Flächen können sich lohnend bepflanzen lassen, indem man mehrere kurze Kulturen pro Saison plant. Für den Anfang eignen sich «einfache» Gemüsesorten wie etwa Radischen, die innerhalb von vier bis sechs Wochen erntereif sind und direkt ins Beet gesät werden können. Die kurze Kulturzeit und reichhaltige Ernte garantieren ein Erfolgserlebnis.

Foto: Lars Kunze/pixelio.de

TIPP

AB AUF DIE PIRSCH

Bis die zarten Pflänzchen zu stattlichen Blumen und Gemüsen herangewachsen sind, drohen ihnen vielerlei Gefahren. Vor allem Schnecken tun sich an den frisch gepflanzten Setzlingen gerne gütlich. Vom Griff zu den Schneckenkörnern ist jedoch abzuraten: Besser ist es, Ködermittel wie etwa Rüstabfälle oder Bierfallen zu verteilen und die Schnecken dann einzusammeln. Ebenfalls nützlich ist die abendliche Schnecken-Pirsch mit Hilfe einer Baumschere. Ein Schneckenzaun hält die schleimigen Vielfrasse zusätzlich fern.

Auch kleinere Parasiten machen den Sommerblühern, Gemüsen und Kräutern zu schaffen: Läuse siedeln sich gerne an den weichen Triebspitzen an und machen eine tägliche Kontrolle und einen eventuellen Einsatz von Pflanzenschutzmittel nötig. Insektenschutznetze über Gemüsebeeten verhindern, dass sich zugeflogene Lauchminierfliegen oder Kohlweisslinge am Gemüse gütlich tun. Günstig ist, wenn für Nützlinge wie Marienkäfer, Schlupfwespen oder Schwebefliegen Raum geschaffen werden kann. Diese halten die Population der Parasiten unter Kontrolle, so dass chemische Pflanzenschutzmittel möglichst überflüssig werden.

AKKURATE PLANUNG IST WICHTIG

Um erfolgreich ins neue Gartenjahr zu starten, ist eine gute Infrastruktur wichtig. Zu den unverzichtbaren Werkzeugen im Gemüsegarten gehören Kräuel, Hacke, Rechen, Schaufel, Steckspaten und Setzschnur. Beim Kauf der Geräte sollte man auf einwandfreie Qualität achten, damit die Werkzeuge gut in der Hand liegen und stabil sind.

Sobald es die wärmeren Temperaturen erlauben, kann das Gemüse ins Beet gepflanzt werden. Da die meisten Gemüsearten Sonnenanbeter sind, sollten die Beete möglichst auf der Südostseite des Gartens angelegt werden. Mit Hilfe einer Skizze gelingt die Planung leicht –  dabei gilt es, eine allfällige Pflanzung des Vorjahrs zu beachten. Dies ist sehr wichtig, denn um Bodenmüdigkeit zu verhindern, müssen Fruchtfolge und Fruchtwechsel beachtet werden.

Kenntnisse über die Familienzugehörigkeit der einzelnen Gemüse sind dabei von Vorteil, denn was verwandt ist, sollte erst nach einer zweijährigen Pause wieder im selben Beet kultiviert werden. Für Erbsen und Kefen ist sogar eine Pause von sechs Jahren nötig, bei den Erdbeeren sollte man fünf Jahre zuwarten. Nur Tomaten dürfen als Ausnahme mehrere Jahre hintereinander an der gleichen Stelle angebaut werden.

DER EXPERTE

Remo Vetter,
Gartengestalter,
Referent und Buchautor

«HOCHBEET BIETET SICH AN»

«In höher gelegenen Gärten, in denen die Vegetationszeit durch späte Sommer und frühe Winter kurz ausfällt, bietet sich das Gärtnern mit einem Hochbeet an. Da es aus verschiedenen Schichten verrottbaren Materials aufgebaut ist, erwärmt der schnell einsetzende Verrottungsprozess die oberste Erdschicht vier bis acht Grad über die Umgebungstemperatur hinaus. Dadurch ist das Hochbeet Kompostmiete und Kultivierungsfläche in einem und die anfallenden Gartenabfälle können optimal verwertet werden. Der Verrottungsprozess gibt jedoch nicht nur Wärme ab, sondern auch Nährstoffe. Dadurch ist eine zusätzliche Düngung nicht notwendig. Um zu gewährleisten, dass die Schichtung des Erdreichs und die gebildete Fauna nicht durcheinander gebracht werden, wird ein Hochbeet nicht umgegraben. Dadurch fällt ein anstrengender Arbeitsaufwand weg. Ein weiterer wichtiger Vorteil des Hochbeets ist die praktische Höhe; es lässt sich aufgrund der hohen Bauform sehr gut bewirtschaften, da das Bücken weitgehend entfällt. So sind Hochbeete auch sehr gut für ältere Menschen, Menschen mit Rückenproblemen oder Rollstuhlfahrer geeignet.»
Foto: Dave Bruellmann/www.at-verlag.ch

NÄHRSTOFFE FÜRS WACHSTUM

Bevor es ans Pflanzen geht, wird der Boden oberflächlich gelockert. Dabei sollte nicht zu tief gegraben werden: 30 bis 50 Zentimeter reichen. Die Fläche wird mit Kräuel und Rechen eingeebnet. Da die meisten Gemüsesorten in Reihen gepflanzt werden, muss man beim Abmessen der Beete darauf achten, dass die Mitte problemlos von der Seite erreichbar ist.

Foto: Jan Gunser/pixelio.de
Foto: Peter von Bechen/pixelio.de
Foto: dreapelle/pixelio.de

Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig gut vertragen, sehen nicht nur dekorativ aus, sondern unterstützen sich auch gegenseitig.

Neben dem Fruchtwechsel ist bei der Planung auch die Fruchtfolge, also die Einteilung in schwach-, mittelund starkzehrende Gemüse, zu beachten. Bei Schwachzehrern wie etwa Erbsen, Feldsalat und Radieschen reicht die Gabe von Kompost: als Faustregel gilt fünf Liter pro Quadratmeter. Kartoffeln, Sellerie und Zucchini hingegen, die zu den Starkzehrern zählen, benötigen einen organischen Volldünger. Beim Ausbringen sollte man unbedingt die auf der Packung angegebene Menge einhalten, denn zu viel Dünger fördert ein zu schnelles Wachstum und das Gemüse wird geschmacklos. Die Setzlinge müssen nach der Pflanzung gründlich angegossen werden.

CHECKLISTE

PRAKTISCHES FÜR DEN BALKON

Schmale Hochbeete, Pflanzentaschen oder Geländertöpfe - dieses Zubehör hat sich im Balkongarten bestens bewährt:

  • TASCHEN VOLLER BLUMEN: Die Wandtaschen machen Fassade oder Geländer zum Blumen- und Kräutergarten. Dank bunter Farbvarianten verwandelt sich die Wand in ein attraktives Vertikalbeet. Die untere Taschenreihe ist versiegelt, damit das Mauerwerk nicht verschmutzt. 15 bis 20 Franken
     
  • HOCH DIE BEETE: Ein hölzernes Pflanzgefäss auf Rädern sieht nicht nur gut aus, sondern schafft zusätzliche Ablagefläche und ist auch gross genug für den Anbau von Salat und Kräutern. Braucht man den Platz, schiebt man das «Hochbeet» einfach zur Seite. 100 bis 150 Franken
     
  • HOCH HINAUS: Gurken, Zucchini oder Kapuzinerkresse haben rankende Triebe und sind auf Kletterhilfen angewiesen. Ein Pflanzkasten mit integriertem Rankgitter bietet den Pflanzen ausreichend Halt. 50 bis 130 Franken
     
  • EINFACH HÄNGEN LASSEN: Perfekt für den kleinen Balkon sind Geländertöpfe: Durch die Ausbuchtung an der Unterseite des Topfes kann dieser einfach auf das Balkongeländer aufgesetzt werden. Mühsames Bohren und Befestigen kann man sich sparen. 15 bis 30 Franken