Automatische Bewässerung im Garten

Automatische Bewässerungen helfen, beim Giessen Zeit zu sparen. Mit etwas Geschick lassen sich einfache Giesssysteme selbst erstellen.

Text — Helen Weiss

 

GIESSSYSTEME SELBST GEMACHT

Für ein gesundes Wachstum benötigen Pflanzen Wasser. Das ruft nach schweisstreibender Pflege – und während den Ferien gilt es, die Nachbarn zu bemühen. Automatische Bewässerungssysteme sind da ideal: Sie übernehmen das Giessen und sparen erst noch Zeit und Wasser. Die Auswahl an Produkten reicht dabei von der Tropfbewässerung für Kübelpflanzen bis hin zum vollautomatischen «Smart Garden». Die Vielfalt ist gross – und die Preise bei vollautomatischen Modellen sind hoch. Beruhigt in die Ferien fahren kann aber auch, wer kein Vermögen in die automatische Bewässerung des Gartens investieren möchte. Zumal sich mit etwas Geschick und dank einiger Tricks die Giesssysteme auch selbst bauen lassen.

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Foto: Peter Janussen/pixelio.de

Ob PET-Flasche oder Rasensprenger, im Topf oder im Beet: neben den automatischen Bewässerungen aus dem Fachhandel gibt es zahlreiche Alternativen Marke Eigenbau.

Einfach, aber wirkungsvoll sind leere PET-Flaschen. Sie lassen sich vorzüglich im Garten oder auf dem Balkon nutzen: Die Flaschen werden mit Wasser gefüllt und kopfüber ins Substrat gesteckt. Damit die Flüssigkeit aus der Flasche tröpfeln kann, muss Luft in diese gelangen. Das gelingt nur, so lange das Substrat nicht derart nass ist, dass die Luftzufuhr unterbunden wird. Geeignet ist dieses Bewässerungssystem vor allem für Töpfe und Balkonkistli.

Foto: parrot.com

TIPP

SENSOREN ERINNERN ANS GIESSEN

Wer erinnert sich noch an den Hype um das Tamagotchi, das virtuelle Küken, das mit seinen Bedürfnissen um die Aufmerksamkeit seines Besitzers heischte? So ähnlich funktionieren Pflanzensensoren, die mithilfe von Apps den Eindruck entstehen lassen, dass Blumen und Pflanzen über das Smartphone, Tablet oder den Computer kommunizieren. Und dabei den Zustand sowohl von Zimmer- als auch Gartenpflanzen überwachen. Um dies zu erreichen, werden die Messstäbe in der Nähe des Wurzelballens in die Erde gesteckt. Aufgrund von Pflanzenpflegemodellen gibt ein interaktiver Assistent Pflegehinweise, die den Pflanzentyp, die Jahreszeit und sogar den Wohnort berücksichtigen. Der Zugriff auf die jeweiligen Pflanzen-Enzyklopädien der Hersteller wie etwa Parrot, die rund 8000 Pflanzen umfassen, ermöglicht es, die zu versorgenden Gewächse zu bestimmen. Den grünen Lieblingen lassen sich zudem individuelle Namen geben. Erhält man Nachrichten wie «Silvia hat Durst» oder «Kurt fühlt sich wohl», stellt sich tatsächlich das Gefühl ein, mit seinen Pflanzen sprechen zu können.

MATERIAL AUS DER MEDIZIN

Nach ähnlichem Prinzip funktioniert der Woll- oder Bindfadentrick: Für diesen stellt man die Pflanzen in einem Kreis auf und platziert in dessen Mitte – auf erhöhter Stelle – einen Wasserbehälter. Darin werden Woll- oder Bindfäden gehängt, deren anderes Ende man in der Erde des jeweiligen Blumentopfs befestigt. Eine weitere Variante dieses Systems lässt sich mit einem kleinen Schlauch mit Einstellmöglichkeit sowie einer Injektionsnadel aus dem medizinischen Bedarfshandel anfertigen. Mit dem Tropf, der üblicherweise an eine Infusion angeschlossen ist, wird die Injektionsnadel in die Erde der Kübelpflanze gesteckt und mittels des am Schlauch angebrachten Regulators lässt sich die Durchflussmenge des Wassers regulieren. Ist der Wasserbehälter gross genug, können die am «Tropf» hängenden Pflanzen einige Tage ohne Aufsicht ausharren, ohne Durst darben zu müssen. Wird für diese Bewässerungssysteme etwa die volle Regenwassertonne verwendet, kann man sich auch beruhigt für einige Wochen in die Ferien verabschieden.

TIPP

DANKE HERR NACHBAR!

Der Königsweg, um die floralen Lieblinge wohlbehalten durch die Ferienzeit zu bringen, ist die Nachbarschaftshilfe. Auch nicht allzu entfernt wohnende Freunde kommen natürlich infrage, täglich nach den Pflanzen im Garten und im Haus zu sehen. Dabei müssen jedoch einige Details stimmen. Vor allem dürfen sich Urlaubszeiten nicht überschneiden. Ausserdem muss der Umfang der Ferienbetreuung ungefähr gleichwertig sein, sonst wird es auf Dauer schwer, den Bewässerungsdienst auf Gegenseitigkeit zu organisieren. Am besten werden die Wasser-Bedürfnisse der Pflanzen vorher erläutert – oder der Nachbar erhält eine Liste. Bei Topfpflanzen ist es hilfreich, sie in Gruppen nach Wasserbedarf zu ordnen. Gross-, reich- und weichlaubige Gewächse haben mehr Durst als Pflanzen mit dickfleischigen, harten und ledrigen Blättern. Wer auf der Suche nach Hilfe ist, wendet sich an besten an Nachbarschaftshilfen, die in Gemeinden oder Städten spezifisch auf einzelne Quartiere ausgerichtet sind. Allein in der Stadt Zürich finden sich aktuell 15 Organisationen, die allesamt dem Förderverein Nachbarschaftshilfe angehören.

UNDICHTER SCHLAUCH

Um im Garten für Gemüsebeete oder Blumenrabatten eine Bodenbewässerung anzulegen, benötigt es einen entsprechend langen Schlauch sowie einen wasserdurchlässigen Perlschlauch, der ebenfalls im Fachhandel erhältlich ist. Begonnen wird mit der Hauptwasserleitung: Dazu wird ein herkömmlicher Wasserschlauch entlang des Hauptweges gelegt. Anschliessend lassen sich, passend ausgerichtet auf Höhe der Einzelbeete, die Abzweigungen für die sogenannten Bewässerungsleitungen aus den wasserdurchlässige Perlschläuchen markieren.

CHECKLISTE


PFLEGE FÜR DAHEIMGEBLIEBENE

Sollen Yucca und Co. die Ferien überleben und die Fensterbank hinterher kein trauriges Bild abgeben, ist eine gute Vorbereitung wichtig:

  • Kurze Abwesenheiten von einigen Tagen übersteht Zimmergrün auch ohne Pflanzensitter: Man wässert die Pflanzen noch einmal ordentlich, indem man den Topf so lange ins Wasser taucht, bis sich der Wurzelballen vollgesogen hat.
     
  • Die Wasserverdunstung im Topf kann reduziert werden, indem die Erdoberfläche mit Blähton oder mit Kieselsteinen bedeckt wird.
     
  • Mit einer über die Pflanze gestülpten durchsichtigen Plastiktüte lässt sich ein feuchtes Treibhausklima erzeugen. Sie sollte Blätter oder Blüten jedoch nicht berühren, zudem darf die Pflanze nicht an der prallen Sonne stehen.
     
  • Ohne Licht überleben Pflanzen nicht: Deshalb sollten zumindest in jenen Räumen, wo Zimmerpflanzen stehen, die Rollläden offenbleiben.
     
  • Für Pflanzenfreunde, die häufig unterwegs sind, stellen Zimmerpflanzen in Hydrokultur oder Tongranulat eine gute Alternative dar.

Der Wasserschlauch wird nun an entsprechender Stelle mit einem Messer durchtrennt und an den jeweiligen Abzweigungen mit einem sogenannten T-Stück versehen. Die Perlschläuche verbindet man nun mit dem freien Ende des T-Stücks und schneidet sie je nach Länge des Beets zu. Die Enden der Perlschläuche müssen mit einem Verschlussstopfen abgedichtet werden, sodass das Wasser nicht am Ende herausfliesst, sondern schön gleichmässig durch den perforierten Perlschlauch sickert. Damit beim Arbeiten in den Beeten nicht versehentlich die verlegten Perlschläuche durcheinandergebracht werden, empfiehlt es sich, diese mit Erdankern zu fixieren. Kann der Wasserhahn aufgrund längerer Ferienabwesenheit nicht selbst bedient werden, bietet sich bei diesem System ein zwischen Wasserhahn und Gartenschlauch installierter Bewässerungscomputer an, der zu den gewünschten Zeiten das Wasser aus dem Hahn laufen lässt.