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Hunde: lieber gross oder klein?

Was darf’s denn sein? Ein kleiner Schnüggel oder ein Koloss von Hund? Klar, spielen bei der Entscheidung persönliche Vorlieben eine Rolle. Jedoch sollte auch daran gedacht werden, dass gerade grosse Hunde in der Gesellschaft eher weniger Akzeptanz haben als herzige Minis.

Text — Karin Haenni Eichenberger

 

ALLES GUTE FÜR DEN HUND

Der Hund geniesst seit langer Zeit einen hohen Stellenwert. Nicht nur als Hütehund, sondern als Familienmitglied und Seelentröster. Man möchte das Tier am liebsten überall mitnehmen, auch in die Ferien. Ebenso sind die Ansprüche an hochwertige Kost gestiegen. Das hat natürlich seinen Preis. Und da fällt es logischerweise schnell einmal ins – buchstäbliche – Gewicht, ob man sein Leben mit einem Chihuahua oder etwa einem Rhodesian Ridgeback teilt. Nebst Ernährung und alltäglichen Utensilien bedenke man auch dies: Eine Transportbox für einen Kleinhund hat locker in einem Kleinstwagen Platz. Diejenige einer Dogge beispielsweise hat selbst schon fast das Ausmass eines Kleinstwagens.

DIE EXPERTIN

Ingrid Blum,
Hundeschule Fee

Bevor man einen Hund aufnimmt, muss man sich über die Rasse/Mischung und über die Herkunft genau informieren. Kleine Gesellschaftshunde möchten nicht allein bleiben, genau so wenig wie mancher Hund aus dem Tierschutz. Da hilft meistens auch kein Training, weil Hunde individuell soziale Ansprüche und auch Ängste haben. Muss der Hund zeitweise allein bleiben, ist dies vor der Auswahl Kriterium Nr. 1. Grosse Rassen sind für Wohnungen in oberen Stockwerken ungeeignet, denn spätestens, wenn sie alt sind, werden Treppen für sie mühsam. Kleine Hunde sind oft gute Wächter, was Lärmprobleme verursachen kann. Die Lebenssituation soll zum Hundetyp passen.

Ingrid Blum, Dipl. tierpsychologische Beraterin IET, Dipl. Internationale Hundetrainerin nach Turid Rugaas mit Zusatz NF SKN/NHB (www.hundeschule-fee.ch)

FERIEN MIT HUND

Lassen wir das Materielle mal beiseite. Reden wir von den Körpermassen und dem Zusammenleben mit Mitmenschen. Beispiel: Sie wollen mit Ihrem Hund in die Ferien fahren und haben ein schönes Hotel oder eine ansprechende Pension entdeckt. Sie nehmen Kontakt mit dem Anbieter auf und fragen, ob Hunde grundsätzlich erlaubt seien. Folgt kein kategorisches Nein, dann aber bestimmt die Frage nach der Grösse des Tieres. Mit einem grossen Hund haben Sie eher schlechte Karten als mit einem kleinen. Denn der ist ja putzig und macht vermeintlich keine Lämpen. Im Stil: Grosser Hund gleich grosse Probleme, kleiner Hund gleich kleine oder keine Probleme.

INFO

KOSTENBEISPIEL ERNÄHRUNG

Das nachfolgende Beispiel ist für ein hochwertiges Trockenfutter für adulte Hunde mit normaler Aktivität pro Jahr gerechnet. Ohne Snacks, Kauartikel oder Goodies. Selbstverständlich kann die Futtermenge je nach Hunderasse, Ernährung (trocken, nass, BARF) und Aktivität (Familienhund, Arbeitshund, Sporthund) variieren.

HUND 5 KG
Tagesration Ø 125g
Jahresration Ø 46kg
Kosten pro Jahr rund CHF 390.–

HUND 40 BIS 50 KG
Tagesration Ø 675g
Jahresration Ø 247kg
Kosten pro Jahr rund CHF 2100.–

Quelle: Meiko Kompetenz für vier Pfoten

HUNDE IN DER GESELLSCHAFT

Liegt ein kleiner Wuffi in einem Restaurant, wo Hunde erlaubt sind, auf seinem Deckeli unter dem Tisch und er gibt etwas Laute von sich oder schüttelt sich, dann ist die Reaktion meist ziemlich klar: «Jööö, sooo ein Schnüggel». Macht dies hingegen ein grosser Hund, sagen wir mal ein Berner Sennenhund oder ein Rottweiler, dann kann man sich negativ behafteter Kommentare oder böser Blicke der Gäste sicher sein. Nichtsdestotrotz lassen sich Halter von grossen Hunden, welche mit einer gewissen Gelassenheit ausgestattet sind, hiervon nicht abschrecken. Persönliche Gespräche mit Haltern grosser Hunde haben zudem ergeben, dass viele von ihnen nur grosse Caniden als richtige Hunde betrachten. Was natürlich Unsinn ist. Jeder Hund ist ein Hund. Mit all seinen Bedürfnissen. Wichtig dabei ist, dass auch kleine Exemplare wie Hunde behandelt und nicht einfach als Accessoire betrachtet werden wollen.

CHECKLISTE

DIE LEBENSERWARTUNG VON HUNDEN

  • Hunde kleiner Rassen haben eine höhere Lebenserwartung als Hunde grosser Rassen.
  • Mischlinge werden älter als Rassehunde vergleichbarer Grösse.
  • Rüden und Hündinnen haben eine gleich hohe Lebenserwartung.
  • Kastrierte Hunde leben im Durchschnitt ein Jahr länger als nicht kastrierte Tiere.
  • Hunde, die in ländlichem Umfeld gehalten werden, haben eine höhere Lebenserwartung als Stadthunde.
  • Schlanke Hunde leben länger als Hunde mit Übergewicht.


Siehe auch: www.hundeo.com

«SIE HABEN IHREN HUND NICHT IM GRIFF!»

Karin Bregenzer, Ermensee (LU): «Ich halte seit zwei Jahren einen Spitz. Wenn ich mit ihm laufen gehe, dann wollen ihn alle streicheln. Was er gar nicht mag. Und wenn er kläfft, weil ihn anfassen nervt, finden die meisten das trotzdem sehr apart. Das war bei meinem Belgischen Schäfer komplett anders. Er war die Ruhe selbst. Mit ihm konnten sogar meine damals sehr kleinen Kinder jeden Seich machen. Aber wehe, der Hund knurrte und bellte, weil ihm beispielsweise eine joggende Person oder ein unangeleinter Hund entgegenkam, dann hiess es gleich einmal, ich hätte den Hund nicht im Griff! Nun, ich hatte mir angewöhnt, gar nicht darauf einzugehen und einfach weiterzulaufen.»

 

KLEIN ODER GROSS, HUND IST HUND

Fakt ist, dass der Halter für jeden Hund jeder Grösse dafür zu sorgen hat, dass es seinem Liebling gut geht. Bewegung, Zuwendung, gutes Futter, Arztkonsultationen. Ob gross oder klein, jede Pelznase hat das Recht, als richtiger Hund und komplettes, fühlendes Wesen wahrgenommen zu werden. Zudem ist bei jedem Hund eine konsequente Erziehung unerlässich. Unabhängig von der Grösse.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen finden Sie unter: Hotels mit Hund / beobachter.ch