Foto: Eric Isselee/shutterstock.com

Kleines Meerschweinchen-ABC

«Soo herzig», denkt sich manch jemand beim Anblick von Meerschweinchen. Vor allem die lieben Kleinen finden schnell Gefallen an den hübschen Tieren. Doch ist deren Haltung alles andere als ein Kinderspiel.

Text — Karin Haenni Eichenberger

 

IDEAL FÜR KINDER? FALSCH!

Meerschweinchen, so die gängige Meinung, seien ideale Haustiere für Kinder, da sie gemeinhin als robust gelten und sie deswegen von den Kids nach Herzenslust rumgeschleppt und geknutscht werden können. Falsch. Jede schnelle Annäherung von oben und jedes Hochheben versetzt die Fluchttiere in Todesangst. Dennoch lässt sich ein schöner Kontakt zu den neuen Freunden herstellen. Der Nachwuchs sollte angehalten werden, die Tierchen erst nur zu beobachten. Mit der Zeit können sie ihnen ein feines Leckerli hinstrecken und warten, bis die Meerschweinchen sich dieses von selber schnappen. Früher oder später erlauben sie bestimmt auch freiwillig Streicheleinheiten.

 

SOZIALE TIERE

Meerschweinchen benötigen von Natur aus Gesellschaft und dürfen nicht alleine gehalten werden. Zwei Tiere sind das Minimum.

DER EXPERTE

Peter Müller, Präsident
Kleintierfreunde Hitzkirch

WIE DIE KARNICKEL . . .

... sind auch Meerschweinchen äusserst vermehrungsfreudige Tiere, die zudem sehr früh geschlechtsreif werden. Jungmännchen können schon in einem Alter von drei Wochen zeugungsfähig sein. Deshalb ist es
ratsam, das Züchten Fachleuten zu überlassen, bevor Sie von ungewolltem Nachwuchs überrascht werden. Nachwuchs, den dann auch trotz vorherigem Interesse niemand will. Eine rechtzeitige Kastration durch den Tierarzt ist daher dringend empfohlen, gerade wenn Männchen mit Weibchen zusammenleben. Auch verpflichtet die Tierschutzverordnung alle Tierhalter, Massnahmen zu treffen, die ein übermässiges Vermehren verhindern.

PLATZ DA IM MEERSCHWEINCHENHEIM!

Die bewegungsfreudigen Tiere brauchen Platz. Die Mindestfläche für zwei Meerschweinchen beträgt 0,5 m2. Je grösser aber, desto besser. Etagenbretter erweitern die nutzbare Fläche. Als Gehege bewährt sich eine oben offene Plexiglas- oder Glaswanne mit etwa 30 cm hohen Wänden. Leben Hunde und Katzen im selben Haushalt, ist die Wanne mit einer licht- und luftdurchlässigen Abdeckung zu versehen. Verstecke und Rückszugsmöglichkeiten sind zwingend. Zur «Inneneinrichtung» gehören Äste und Reisigzweige zum Nagen. Verbindungsgänge bereiten den Tieren eine Menge Spass.

 

DIESE EINSTREU MÖGEN MEERSCHWEINCHEN

Am besten, man breitet erst eine Schicht von mehreren Zeitungsblättern aus und streut darüber in Fachgeschäften erhältliches Rindenmaterial. Ganz zuoberst kommt eine Schicht Heu oder Stroh hin. Einstreu unbedingt wöchentlich wechseln!

Foto: shchus/Fotolia.com

Vitamin-C-reiche Früchte- und Gemüsesorten mögen Meerschweinchen ganz besonders gerne und sie sollten täglich verfüttert werden.

DRINNEN ODER DRAUSSEN?

Meerschweinchen können sowohl drinnen wie draussen artgerecht gehalten werden. Bei der Aussenhaltung ist jedoch zu beachten, dass die Tiere nicht nur vor Witterung und Durchzug geschützt werden müssen. Im Sommer sind sie anfällig für Hitzschläge. Für genügend Schatten ist deshalb selbstredend zu sorgen. Zudem muss ein Aussenkäfig sicheren Schutz vor Katzen, Mardern etc. bieten.

 

MMH, ROHFASERN ...

Heu ist reich an Rohfasern und deshalb besonders wichtig für Meerschweinchen. Da sie fast dauernd am Fressen sind, sollte immer genügend Raufutter zum Knabbern da sein. Hinzu kommt, dass die Tiere einen hohen Vitamin-C-Bedarf haben. Salat, Rüebli, Gemüse generell, Äpfel oder Löwenzahn dürfen auf dem Speiseplan nicht fehlen. Frisches Wasser muss stets zur Verfügung stehen. Körnerfutter ist sehr kalorienhaltig, daher ist eine sparsame Fütterung desselben angezeigt.

INFO

SCHWEINCHEN QUIECK

Meerschweinchen wurden bereits 2000 v. Chr. in den Anden domestiziert. Um 1700 n. Chr. brachten holländische und englische Seefahrer die Viechlein von Südamerika mit nach Europa, wo sie beliebte Haustiere des Adels wurden. Der Name entstand vermutlich, weil die Seeleute die Quiekgeräusche an jene von Schweinchen erinnerten und sie auf dem Seeweg zu uns gelangten.

Gesetzliche Grundlagen:

  • Haltung mindestens zu zweit
     
  • Mindestfläche für zwei Tiere 0,5 m2
     
  • Jedes weitere Tier benötigt 0,2 m2
     
  • Erhöhte Ebenen dürfen bis zu einem Drittel der Fläche angerechnet werden
     
  • Rückzugsmöglichkeiten für alle Tiere
     
  • Heu und /oder Stroh zur ständigen Verfügung ebenso Nagematerial wie Weichholz oder Äste
     
  • Vitamin-C-haltiges Futter
     
  • Frisches Wasser
     
  • Geeignete Einstreu
     
  • Genügend Licht (mind. 15 Lux)

 

GESUNDHEIT

Meerschweinchen weisen grundsätzlich eine gute Gesundheit auf. Fehlt ihnen dennoch etwas, ist dies ein Grund für eine Konsultation beim Tierarzt. Ausgewogene Ernährung, eine saubere Umgebung sowie ein schönes Sozialleben sind wichtig für deren Wohlbefinden. Krallen sollten ab und zu gestutzt und das Fell regelmässig auf Haarlinge und Milben durchkämmt werden.

 

RASSEN UND ZEICHNUNGEN

Nebst den beliebten Glatthaar- und Rosettenmeerschweinchen existieren auch Teddys und Rex mit kurzem, rauhem Fell sowie diverse Langhaarrassen wie Sheltie, Peruaner, Coronet. Gelocktes Haar haben Texel, Alpaka, Lunkarya. Übrigens: Eine in der Schweiz gezüchtete Rasse erfreut sich weltweit grosser Beliebtheit: das Schweizer Teddy mit halblangen, abstehenden Haaren.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen zur Haltung von Meerschweinchen erhalten Sie unter: meerschweinchen-ratgeber.de

Foto: Pernille Westh/shutterstock.com

HOI ZWERGKANINCHEN

Zwergkaninchen kommen vollkommen nackt, blind und taub auf die Welt. Erst am dritten Lebenstag treten erste Haarspitzen hervor. Ihre Augen öffnen sie nach zehn bis zwölf Tagen. Dann ist ihr Fellkleid voll ausgebildet. Ab der zweiten Lebenswoche nehmen die Jungtiere aktiv am Leben teil und bescheren ihrer Mutter mitunter viel Stress, weil sie ständig aus dem Nest krabbeln. In der dritten Lebenswoche kann man erkennen, wie die Winzlinge neugieriger werden und versuchen, vorsichtig das Futter im Käfig zu testen. Ab der vierten Lebenswoche können die Jungtiere feste Nahrung zu sich nehmen.

 

SOZIALVERHALTEN WILL GELERNT SEIN

Jungtiere sollten frühestens ab einem Alter von acht Wochen abgegeben werden. Besser ist es, die Kaninchen noch bis zu einem Alter von zehn Wochen bei ihren Artgenossen zu lassen. In dieser Zeit erlernen sie ein natürliches Sozialverhalten.