Ein Blick in den Schrank

Bei der Innenausstattung des Kleiderschranks herrscht die Qual der Wahl. Ein paar Grundregeln helfen, den Schrank perfekt einzurichten.

Text — Tanja Seufert

 

TABLARE IN DIE HÖHE

Ob Einbau- oder freistehender Schrank, ob mini oder wandfüllend: In der Regel besteht das Innere eines Schranks aus Kleiderstangen, Tablaren und Schubladen. Die Standardtiefe eines Kleiderschranks beträgt 60 Zentimeter – perfekt für Schubladen und Kleiderstangen, für Tablare jedoch suboptimal, da hinten Verstautes schlecht zugänglich ist. Man sollte der Versuchung widerstehen, die Kleider in zwei Reihen zu stapeln – vor allem in den oberen Regalen. Besser ist es, sich auf eine Reihe zu beschränken. Alternativ verstaut man die Kleidungsstücke in schranktiefen offenen Boxen, die sich einfach hervorziehen lassen.

Gleichzeitig sind Regalböden gerade für den oberen Schrankbereich unablässig. Denn in luftiger Höhe machen Schubladen keinen Sinn, und auch Kleiderstangen sollten nur so weit oben platziert werden, dass man ohne Schemel auskommt – ausser, man investiert in eine herunterziehbare Stange, einen so genannten «Kleiderlift». Eine universale Schrankregel besagt: Schlecht erreichbare Orte sind für selten genutzte Objekte reserviert. Im Kleiderschrank ist das beispielsweise die Winter- bzw. Sommergarderobe oder das Ersatzduvet.

Foto: Ikea
Foto: Alpnach
Foto: Ikea

Ordnung ist das halbe Leben: Ein Vorhang schützt den offenen Schrank und Schubladeneinteilungen halten Accessoires in Reih und Glied.

AUFBEWAHRUNG GESCHICKT PLANEN

Kleidung, die man häufig braucht, sollte einfach zugänglich sein. Das gilt auch für die kleinen Familienmitglieder: Kinder schätzen Kommoden und/oder niedrige Schränke. So können sie früh ihr eigenes Outfit zusammenstellen und sich selbständig anziehen. In allen Schränken gilt: Schwere und grosse Sachen gehören eher nach unten, häufig Benutztes auf Augenhöhe. Wer mag, kann seine Kleidung nicht nur nach Kategorie, sondern auch nach Farbe bzw. Muster sortieren. So ist der Griff in den Kleiderschrank noch effizienter.

Foto: Alpnach

CHECKLISTE

ARTGERECHTE HALTUNG

Wie lässt sich Kleidung am besten aufbewahren, ohne dass sie anfängt zu knittern?

  • HÄNGEND: Mäntel/Jacken, Kleider, Blusen/Hemden, Stoffhosen
     
  • STAPEL ODER STEHEND/GEROLLT IN BOX: Jeans, Pullover, T-Shirts, Sportbekleidung
     
  • SCHUBLADE: Unterwäsche, Socken, Strümpfe

SCHUBLADEN GEHEN FAST IMMER

Wie viele Regale, Schubladen und Kleiderstangen? Dies richtet sich in erster Linie nach der Garderobe. Wer viele Business-Outfits hat, die am Bügel hängen müssen, setzt auf mehr Stangen. Fans der stehenden Aufbewahrung nach KonMari (siehe Buchtipp) lieben Schubladen. Tatsächlich sollte man im Zweifelsfall eher mehr Schubladen einplanen, denn darin lässt sich – ausser Mäntel, schwere Jacken und knitteranfällige Stoffe – wirklich alles verstauen. Wichtig ist, dass Schubladen vollständig ausziehbar sind. Gerade Billiganbieter verwenden manchmal nur Teilauszüge, was bei tiefen Schubladen den Zugriff in den hinteren Teil erschwert.

Einfache Schubladen genügen übrigens – Spezialschubladen, wie sie etwa für Uhren und Schmuck existieren, sind nicht unbedingt nötig. Es gibt eine grosse Auswahl von Schubladeneinteilungen, mit denen sich Schubladen flexibel gestalten lassen. Wer bereits einen Schrank mit vielen Regalen und wenigen Schubladen hat, muss nicht verzagen.

DER EXPERTE

Philipp Heidelberger,
stv. Chefredaktor
Schreinerzeitung

WELCHE SCHRANKTÜR PASST?


Bei Kleiderschränken sind Flügel- und Schiebetüren üblich. Weniger verbreitet, aber ebenfalls erhältlich sind Schiebe-/Schwenklösungen bzw. Falttüren. Diese sind von ihrer Funktionsweise her jedoch weniger dafür geeignet, jeden Tag mehrmals geöffnet und geschlossen zu werden. Gegenüber den klassischen Flügeltüren haben Schiebetüren den klaren Vorteil, dass sie fürs Öffnen keinen Platz vor dem Schrank beanspruchen. Dafür kann man nur immer eine Hälfte öffnen, und die Montage ist aufwendiger. Für die Planung von Flügeltüren sollte man den Standort und den Zugang kennen: Stösst der Schrank zum Beispiel seitlich an eine Wand an, muss man die Tür zur Wand hin öffnen können. Zu Flügeltüren gehören auch Griffe: Diese gibt es in unzähligen Varianten, von schlicht bis verspielt. Ein Trend bei individuell angefertigten Schränken sind Griffe, die gleich in die Front gefräst werden, so genannte Griffprofilfräsungen.

DIE SCHRANKBEWOHNER

Was gehört in den Kleiderschrank? Neben Kleidung, Bett- und evtl. Frottierwäsche bietet der Schrank – falls nötig – auch Stauraum für «artverwandte» Objekte wie Koffer, Uhren/Schmuck oder Sportutensilien. Schuhe sollten besser nicht im Schlafzimmerschrank aufbewahrt werden, denn auch saubere Schuhe verbreiten schnell einmal den typischen Schuhgeruch. In den Schrank gehören deshalb am ehesten wenig getragene, etwa festliche Schuhe, idealerweise in einem luftdurchlässigen Schuhkarton aufbewahrt. Wichtig ist, getragene Schuhe mindestens 24 Stunden trocknen zu lassen, bevor man sie verstaut.

TIPP

LIFE HACKS RUND UM DEN KLEIDERSCHRANK

  • Rutscht die Kleidung von den Bügeln? Einfach auf jeder Seite ein Gummiband um den Bügel wickeln.
     
  • Falten bzw. rollen statt stapeln: Wer seine Kleidung zu kompakten Vierecken faltet und sie hochkant in Boxen stellt, spart viel Platz und minimiert Knittern (siehe Buchtipp). Eine Alternative ist das Rollen von Kleidung.
     
  • Auf der Innenseite von Drehtüren lassen sich Haken, Stangen oder schmale Körbe für Kravatten, Gürtel und andere Accessoires montieren.
     
  • An diese Stelle passt auch eine Pinnwand, an die sich Schmuckstücke hängen lassen.
     
  • Leere Eierkartons in der Schublade eignen sich ebenfalls prima zur Schmuckaufbewahrung.

MEHR LICHT BITTE!

Wo ist bloss das dunkelblaue Hemd? Die beste Ordnung nützt nicht viel, wenn im Innern des Schranks Finsternis herrscht. Integrierte LED-Lichtleisten leuchten den Schrank optimal aus; doch auch nachträglich lassen sich Leisten oder Spots montieren. Damit nicht nur das oberste Regal beleuchtet wird, sollte die Lichtquelle dabei nicht nur von oben, sondern auch von vorne kommen. Alternativ tut es auch eine gut platzierte Deckenlampe vor dem Schrank.

Foto: Ikea

INFO

SCHMAL IST AUCH SCHÖN

Wer keinen Platz für einen 60 Zentimeter tiefen Schrank hat oder eine filigranere Lösung sucht, muss nicht verzagen: Es gibt heute auch Schranksysteme mit rund 40 Zentimetern Tiefe. Und Schränke auf Mass sind ohnehin in jeder gewünschten Tiefe erhältlich. Bei schmalen Schränken sollten Kleiderstangen allerdings nicht das Hauptelement sein, denn mangels Platz sind diese quer statt längs platziert und bieten dadurch weniger Raum für Kleiderbügel. Für massgeschneiderte Lösungen, zum Beispiel auch in Dachschrägen oder unter Treppen, wendet man sich am besten an den Profi. Adressen: www.schreiner.ch

ACHTUNG STAUB

Die «Inneneinrichtung» eines begehbaren, also offenen Kleiderschranks unterscheidet sich übrigens nicht allzusehr von der eines Schrankmöbels. Der grosse Knackpunkt in offenen Schränken ist der Staub. Wo Textilien, da Staub – erst recht, wenn man sich da auch umzieht. Kleinste Fasern, Hautschuppen, Haare und Feinstaub aus getragener Kleidung sind das perfekte Rezept für herumwirbelnden Hausstaub. Und der setzt sich naturgemäss auf horizontalen Flächen ab. Wer genug Platz hat, verstaut die Bekleidung also eher an Stangen oder in Schubladen und weniger auf Regalen. Etwas Staub sammelt sich übrigens in jedem, also auch im geschlossenen Schrank an – allein durch fusselnde Textilien.

 

BUCHTIPP

    Die Japanerin Marie Kondo ist die wohl bekannteste
    Aufräum-Lehrerin der Welt. Ihre Methode ist nun
    als Manga-Comic erschienen – ideal auch für Kinder
    und Jugendliche. «Die KonMari-Methode»,
    Rowohlt 2019, ISBN 978-3-499-63461-1