Stauraumwunder im Haus

Wenn Krimskrams in der Wand verschwindet, zieht auch optisch Ruhe im Haus ein. Darum lohnt es sich, allen Dingen von Anfang an ihren Platz einzuräumen.

Text — Helen Weiss

 

WIRKSAME GEGENMITTEL

Der schöne Bauernschrank platzt aus allen Nähten und im Schlafzimmer stapeln sich Wäscheberge. In der Garderobe stolpern Besucher über Schuhe und im Wohnzimmer quillt das alte Bücherregal über. Kein schöner Anblick. Wirksames Gegenmittel: Einbauschränke und -möbel. Wer neu baut oder renoviert, will alles perfekt und vor allem langlebig haben. In Wirtschaftsräumen sollten deshalb Einbauregale geplant werden, welche die tote Ecken und Nischen ausfüllen und genügend Stauraum bieten, ganz bis unter die Decke. Für Stube, Schlafzimmer oder Eingangsbereich plant man am besten grosszügige Einbauschränke – falls möglich einen Tick grösser, als man eigentlich denkt. Denn raumhohe Einbauschränke, auf Mass gefertigt, wirken weit weniger massig als freistehende Schränke.

Einbauschränke lassen sich sowohl in Räumen mit Dachschräge oder speziellen Winkeln unterbringen. Exakt auf Mass geschneidert, lässt sich dadurch viel Stauraum gewinnen.

Daneben gewinnt man ganz einfach an zusätzlicher Nutzfläche: Denn im Gegensatz zu «normalen» Schränken lassen sich Einbaumöbel überall platzieren – unter einer Treppe, in einer vorhandenen Nische oder als Schrankfront im Schlafzimmer. Bei der Platzierung gilt es jedoch darauf zu achten, dass der Einbauschrank genügend Abstand zu anderen Einrichtungsgegenständen aufweist, um ihn bequem bedienen zu können. Vorhandene Möbel oder Platzhalter lassen sich allenfalls einfach integrieren. So kann etwa der Spiegel, der vorher beim Eingang freistehend platziert wurde, durch einen Einbauschrank mit Spiegelfront ersetzt werden.

INFO

SCHICKE FRONTEN

Die individuelle Auswahl der Fronten von Schränken sind für die Gestaltung eines Raums wichtig. Jedes Material vermittelt einen eigenen Charakter:

  • BESCHICHTETE KUNSTHARZPLATTEN sind in unzähligen Dekorvarianten erhältlich. Es gibt sie in vielen Farben, mit glänzender oder matter Oberfläche und auch mit Holz- oder Metalldekor.
     
  • BELEGTE KUNSTHARZPLATTEN weisen dank eines dickeren Laminats eine hohe Beständigkeit auf. Die Oberfläche ist leicht zu reinigen sowie hitze- und lichtbeständig.
     
  • ECHTHOLZFURNIER besteht aus sehr dünnen Schichten eines Baumstamms, die auf eine Trägerplatte aufgebracht werden. Die Oberfläche aus lackiertem oder geöltem Holz ist lebendig und strahlt viel Wärme aus.
     
  • GLAS- UND SPIEGELFRONTEN vermitteln Licht und Transparenz. Die Glasrückseite kann in beliebigen Farben lackiert werden. Satinierte und verspiegelte Gläser runden das Sortiment ab. Glas begeistert durch seine Ästhetik und ökologischen Eigenschaften.
     
  • FARBLACKIERTE OBERFLÄCHEN entstehen durch Lackschichten, die auf Trägerplatten appliziert werden. Die Auswahl umfasst 1000 Farben sowie verschiedenen Oberflächenstrukturen.

DACHSCHRÄGE? KEIN PROBLEM!

Gerade bei Dachschrägen bieten massgefertigte Einbaulösungen maximalen Stauraum, der nicht verschenkt werden sollte. Ausserdem beruhigen bis zur Decke gezogene Schrankfronten den Raum. Wenn die Wandfläche eher klein bemessen ist oder das Möbel um eine Tür herumgebaut werden soll, muss bei der Auswahl auf eine klare und möglichst symmetrische Aufteilung der Schranktüren geachtet werden.

DIE EXPERTIN

Martina Frischknecht,
Frau Ordnung –
Aufräum-Coaching

«ES SIND DINGE, DIE WIR WEGWERFEN UND NICHT EMOTIONEN»


Mit Einbauschränken schafft man sich im Haus viel Platz zur Aufbewahrung. Wie verhindert man, dass sich dieser Leerraum mit unnützen Dingen füllt?
Indem man sich Gedanken macht, was man im Schrank verräumen möchte. Wichtig ist dabei, dass man ein Konzept hat und weiss, was hinein gehört. Sonst füllt sich der Schrank innert Kürze mit allerlei Krimskrams, der schnell irgendwohin muss.

Weshalb fällt es uns so schwer, uns von Gegenständen oder auch Kleidern zu trennen?
Sehr oft hängen Emotionen daran. Und wir scheuen uns, unsere Emotionen zu entsorgen. Dabei sind es Dinge, die wir wegwerfen, und nicht Emotionen. Ein weiterer Grund ist der Wert: Hat etwa ein Kleid viel gekostet und man hat es kaum getragen, behält man es, um es vielleicht irgendwann nochmals anzuziehen. Mit dem Weggeben von Dingen muss man manchmal auch einen Traum loslassen. Etwa sportlicher zu werden mit der Pulsuhr oder die innere Mitte zu finden mit der Yogamatte. Oft bleibt es beim Wunsch und uns fehlt die Zeit oder die Musse.

Gibt es ein Prinzip, wie man einfach und effizient Ordnung hält im Einbauschrank?
Ja. Grundsätzlich stelle ich auf den Regalböden nichts hintereinander. Ausnahme: Im Kleiderschrank dürfen bei mir die Winterkleider im Sommer nach hinten und umgekehrt. Zudem empfehle ich gerade in tiefen Schränken die Nutzung durchsichtiger Boxen. Damit lässt sich die Aufbewahrung themenbezogen organisieren, und mit einem Griff hat man das Richtige schnell zur Hand.

Für schmale Zimmer sind hingegen Einbauschränke mit Schwebetüren geeignet, da der Raum für das Öffnen des Schranks entfällt. Dabei hat man die Auswahl zwischen zwei Systemen: Schiebetüren, die unabhängig von den Schrankelementen auf einer Bodenschiene gleiten und durch eine Deckenschiene geführt sind, sowie Schiebetüren, welche direkt an den Schrankelementen montiert sind. Schiebetürschränke lassen sich übrigens sogar unter Dachschrägen einbauen.

TIPP

ALLES IN ORDNUNG

Kleider und Hosen kann man nicht wie Bücher in Regale stellen. Deshalb machen praktische Gadgets im Einbauschrank das Leben übersichtlicher. So gewährleisten mobile Schrankausstattungen, wie ein ausziehbarer Hosenhalter oder ein ausschwenkbarer Kleiderlift, Übersicht und optimale Platznutzung. Stangenhalter an Türinnenseiten sowie ausziehbare Krawatten- und Gürtelhalter ermöglichen ein knitterfreies und geordnetes Aufbewahren von Accessoires.

Bei Bedarf kann auf einem Stangenhalter aber auch die Lieblingskette, der Bikini oder das Haarband aufgehängt werden. In Ablagekörben lassen sich hingegen die unterschiedlichsten Dinge sammeln – für Mützen, Handschuhe, Schals oder Sonnenbrillen sind Ablagekörbe einfach unschlagbar. Schubkästen erlauben einen schnellen Blick von oben und vermeiden langes Wühlen in hinteren Schrankbereichen. Für Unterwäsche, Manschettenknöpfe oder eingerollte Krawatten erweisen sich Schubkästen mit durchdachter Inneneinteilung als praktische Möglichkeit, besondere Stücke separat und geschützt unterzubringen.

MASSIVE FLÄCHEN OPTISCH BRECHEN

Je nach Zimmer kann eine raumhohe Schrankwand zu massiv wirken – man fühlt sich durch den Einbauschrank fast erschlagen. Mit unterschiedlichen Fronten lässt sich diese Wirkung vermeiden. Sogenannte Bauchbinden sorgen mittig zudem für besondere Farb- oder Materialwechsel. So kann etwa ein Holzdekor mit seidenmattem Glas unterbrochen werden. Zudem lassen sich mit kleinen offenen Fächern und Regalen massive Flächen wirkungsvoll auflockern.

Foto: Alpnach

CHECKLISTE

BEGEHBARER KLEIDERSCHRANK: SO GEHT DER TRAUM IN ERFÜLLUNG

Ein begehbarer Kleiderschrank ist sogar in kleinen Räumen integrierbar – dabei sind passgenaue Einbauschränke das wichtigste. Bei der Planung gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Auch aus kleinen Räumen lassen sich komplexe begehbare Kleiderschränke verwirklichen. Bereits in einem Schlafzimmer ab rund 14 Quadratmeter kann man eine begehbare Ankleide einrichten.
     
  • Für die perfekte Planung wird der Raum zuerst vollständig ausgemessen und skizziert. Dabei müssen Dachschrägen und andere Sondermasse berücksichtigt werden.
     
  • Fenster im Raum sollten nicht durch den begehbaren Kleiderschrank verdeckt werden, ebenso Steckdosen, da diese für die Lichtgestaltung ein wichtiger Faktor sind.
     
  • Um festzulegen, wie viele Kleiderstangen und Fachböden benötigt werden, sollte man im Voraus eine Bestandsaufnahme von der Kleidung machen.
     
  • Eine offene Ankleide bietet eine schöne Übersicht des Inhalts. Ein geschlossener Kleiderschrank benötigt hingegen weniger Ordnung, die Kleider sind schneller verstaut und werden vor Licht und Staub geschützt.

Wo der Platz vorhanden ist, sieht man am besten einen begehbaren Kleiderschrank vor. Dieser abgetrennte Raum bietet weit mehr Platz als konventionelle Möbel und wesentlich freiere Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Schiebetür vor einer Wand reicht bereits. Hinter ihr liegen Regale und Kleiderstangen. Wer dann noch individuelle Schranksysteme wählt, bekommt den perfekten Komfort. Besonders praktisch: In diesem Kleiderschrank verschwinden auch Bügeleisen, Bettwaren und Staubsauger mühelos.