Damit Einbrecher keine Chance haben

Manchmal braucht es gar nicht so viel! Schon mit einfachen Massnahmen machen Sie Ihr Eigenheim sicherer im Kampf gegen Einbrecher.

Text — Thomas Bürgisser

 

IMMER ZUHAUSE SEIN

Meist wählen Einbrecher ihr Objekt spontan aus – und suchen dabei den Weg des geringsten Widerstandes. Bewohner passen da nicht ins Bild. Ein wirksames Mittel gegen Bösewichte ist deshalb die Anwesenheit zuhause. Oder zumindest die simulierte. Brennt irgendwo im Haus Licht, gehen viele zum nächsten Haus. Eine Option sind auch Fernsehattrappen: Flackernde Leuchten, welche die Lichteffekte eines Fernsehers simulieren. Solche gibts im Fachhandel günstig zu kaufen, können einfach installiert und vielleicht mit einer Zeitschaltuhr kombiniert werden. Schliesslich müssen weder Fernsehattrappe noch Stehlampe bei längerer Abwesenheit über Tage hinweg im Dauerbetrieb sein, auch aus energetischen Gründen. Ganze Lichtszenarien zu programmieren, können Sie sich jedoch sparen. Kaum ein Einbrecher spioniert ein Objekt über Stunden hinweg aus. Geschweige denn über mehrere Tage. Lohnen kann es sich hingegen, mindestens eine Store zu automatisieren. Denn sieht man ins leere Wohnzimmer, nützt alles Simulieren nicht. Ein entsprechender Motor lässt sich mit etwas Erfahrung sogar selber einbauen.

Foto: Abus Schweiz AG
Foto: 4B AG

Fenster sollten immer über mehrere Schliesspunkte mit Pilzkopfzapfen verfügen. Gleich wie zusätzliche vorschiebbare Riegel oder Schlösser lassen sich diese auch nachrüsten.

ALLES UNTER KONTROLLE HABEN

Ebenfalls abschreckend wirken Bewegungsmelder gekoppelt mit einer Lichtquelle, welche einen Bereich hell ausleuchtet, sobald sich etwas bewegt oder Körperwärme wahrgenommen wird. Schliesslich wollen Einbrecher so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich ziehen. Auch solche Anlagen lassen sich grundsätzlich selber montieren: Die Hilfe einer Fachperson schadet hier aber nicht. Denn damit es etwas bringt, sollten keine toten Winkel rund ums Haus entstehen. Und die Sensoren gleichzeitig so ausgerichtet werden, dass nicht streunende Katzen oder vorbeispazierende Fussgänger die Lichtquelle auslösen.

DER EXPERTE

André König,
Wachtmeister
und Sicherheitsberater
Kantonspolizei
Thurgau

«AM WICHTIGSTEN IST SCHLUSSENDLICH IMMER NOCH DER MENSCH SELBST»


«Die meisten Einbrecher gelangen über Terrassen- und Balkontüren ins Haus. Diese sind oft von der Strasse abgewandt, hinter dem Haus, von den Nachbarn durch ein Gebüsch abgeschirmt. Ideal für einen Einbruch: Denn Bösewichte möchten naturgemäss nicht gesehen werden und so schnell wie möglich einsteigen können. Wenn sie ein Fenster oder eine Türe nicht innerhalb von wenigen Minuten aufbringen, brechen sie den Versuch in der Regel ab. Alte Fenster mit einfachem Verschluss oder Türen mit hervorstehendem Zylinder halten jedoch nicht so lange aus. Gerade hier, bei den mechanischen Einbruchschutzmassnahmen, lohnen sich deshalb auch schon kleine Eingriffe. Die meisten Fenster oder Balkontüren lassen sich mit Zusatzsicherungen nachrüsten. Wichtig ist, dass wirklich jede Schwachstelle behoben wird. Fast alle Polizeikorps der Kantone bieten hierfür kostenlose Sicherheitsberatungen an. Informationen dazu findet man meist auf den jeweiligen Websites. Vor Ort schaue ich mir jeweils jedes Detail an, bespreche Lösungen mit den Hausbesitzern und arbeite im Nachhinein eine Checkliste mit herstellerneutralen Empfehlungen aus. Je nach Situation können auch elektronische Systeme wie eine Alarmanlage sehr nützlich sein. Am wichtigsten aber ist schlussendlich immer noch der Mensch selbst. Denn jede Sicherheitsmassnahme nützt nichts, wenn das Fenster anschliessend offen bleibt, die Türe nicht abgeschlossen wird oder eine leere, offene Garage von weitem nach Abwesenheit schreit.»

Ein Bewegungsmelder kann auch mit einer Videokamera kombiniert werden. Klar, manchmal nützt auch nur schon eine Kamera-Attrappe. Besser aber ist es, wenn sie aufnimmt, sobald sie eine Bewegung wahrnimmt. Einige Kameras melden sich dann gleich via Smartphone und zeigen Ihnen die Bilder. Nur können Sie von unterwegs meist wenig unternehmen. Möchten Sie also nicht nur aufnehmen, sondern auch Alarm schlagen, koppeln Sie die Kamera, vor allem im Haus, mit einer Alarmanlage. Wichtig dabei: Laut alleine reicht nicht, der Alarm sollte auch an einen Wachdienst weitergeleitet werden.

INFO

HAUSAUTOMATION GEGEN EINBRUCH

Anwesenheit simulieren – mit einer Hausautomation kein Problem! Das Licht, Storen, der Fernseher: alles lässt sich über die Automation programmieren und einen ganzen Tagesablauf nachstellen. Über eine Taste neben dem Bett können alle Türen per Knopfdruck abgeschlossen werden. Auch eine Schockbeleuchtung lässt sich so einschalten, wenn man jemanden im Haus vermutet. Und selbstverständlich lässt sich auch alles von unterwegs über das Smartphone steuern. Zu den günstigsten Schutzmassnahmen gehört eine vollumfassende Hausautomation jedoch nicht. Schnell ist man über 10‘000 Franken. Die gute Nachricht: Eine Hausautomation kann auch Schritt für Schritt aufgebaut werden. Zu empfehlen ist dabei jedoch, ein plattformübergreifendes, offenes Grundsystem zu wählen, in das neu gekaufte Geräte später einfach integriert werden können.

NIEMANDEN REINLASSEN

Die Alarmanlage lässt sich auch mit Fenstern und Türen verbinden. Beziehungsweise mit magnetischen Kontakten, die Meldung geben, wenn etwas geöffnet wird. Zuvor aber kümmern Sie sich besser noch um die mechanische Einbruchsicherung. Grundsätzlich ist es günstiger, Fenster und Türen schon beim Bau einbruchsicher zu installieren. Einiges lässt sich aber auch nachrüsten.

CHECKLISTE

10 VERHALTENSREGELN GEGEN EINBRÜCHE

  • Schliessen Sie Ihre Türe immer ab, auch bei kurzen Abwesenheiten. Und lässt sich das Schloss zweifach abschliessen, ist es erst nach dem zweiten Abschliessen richtig zu.
     
  • Gekippte Fenster sind offene Fenster – auch versicherungstechnisch!
     
  • Schlüssel gehören weder unter die Fussmatte noch in den Blumentopf!
     
  • Bieten Sie Einbrechern nicht auch noch Unterstützung und entfernen Sie Steighilfen zu Balkonen oder Fenstern.
     
  • Kennen Sie Ihre Nachbarn: So erkennen Sie auch, wenn jemand nichts beim Haus des Nachbarn zu suchen hat. Und umgekehrt.
     
  • Informieren Sie Ihre Nachbarn über Ferienabwesenheiten, damit diese Verdächtiges schneller einordnen können.
     
  • Ein überfüllter Briefkasten ist ein klares Zeichen für ein leeres Haus. Halten Sie die Post zurück oder schauen Sie, dass jemand den Briefkasten leert.
     
  • Seien Sie in den sozialen Medien zurückhaltend mit Ferienbildern – muss ja nicht jeder wissen, dass Sie nicht zuhause sind.
     
  • Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei. Besser einmal zu viel als zu wenig.

Im Handel sind verschiedenste kleine Installationen erhältlich: von einbruchhemmenden Fensterbeschlägen über zusätzlich vorschiebbare Riegel bis hin zu Schlössern und Stangen. Anbringen lassen sich diese teilweise auch eigenhändig. Sicherer wirds, wenn eine Fachperson Hand anlegt, zum Beispiel für das Nachrüsten von Pilzkopfzapfenverriegelungen. Bei Türen wiederum schaffen Sicherheitsbeschläge oder – sollten diese nicht Platz haben – zumindest Sicherheitsrosetten Abhilfe bei vorstehenden Zylindern. Auch eine Mehrpunkteverriegelung lässt sich bei den meisten Türen im Nachhinein anbringen. Oder aber man arbeitet mit Tür-Zusatzschlössern oder -ketten. Wobei diese häufig von innen verriegelt werden – und Einbrecher ja vor allem dann zuschlagen, wenn Sie ausser Haus sind.