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Das kindersichere Haus

Wie sicher ist Ihr Haus für Kinder? Gerade bei Altbauten gilt es, das eine oder andere nachzurüsten, damit Sie den Alltag mit den Kleinsten besser geniessen können.

Text — Thomas Bürgisser

 

GEGEN STROMUNFÄLLE

Wenn es um Gefahren für Kinder im Haushalt geht, greift der Gesetzgeber teilweise hart durch. Zum Beispiel beim Strom. Seit 1985 sind Fehlerstrom-Schalter, FI-Schalter, in der Schweiz in Badezimmern und Aussenräumen Pflicht, seit 2010 gar in allen Wohnräumen. Solche FI-Schalter unterbrechen den Stromkreis sofort, wenn es zu einer Abweichung beim Stromfluss kommt. Beispielsweise, wenn ein Fön ins Badewasser fällt. Nur: Eine Nachrüstpflicht besteht nicht. Das heisst, bei einigen unveränderten Altbauten fehlen solche FI-Schalter noch immer. Hier liegt es in der Verantwortung der Eltern, schleunigst nachzurüsten. Schützen Sie Steckdosen ausserdem unbedingt immer zusätzlich mit kindersicheren Steckdosenkappen. Zwar sollte ein FI-Schalter auch greifen, wenn ein Kind in die Steckdose greift. In einigen speziellen Konstellationen funktioniert das aber nicht. Und bei Strom sollten Sie wirklich kein Risiko eingehen.

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Kommoden, Regale, aber auch Fernseher sollten immer gut an der Wand festgemacht werden, damit sie nicht auf Kinder umstürzen können.

GEGEN STÜRZE

Ein ähnliches Bild bietet sich bei Erhöhungen, Treppen, Balkonen usw. – und dem damit verbundenen Absturzrisiko. Hier gibt es vor allem für öffentlich zugängliche Bauten zahlreiche Vorschriften bezüglich Geländer. Im Privatbereich spielen diese Vorschriften, auch wenn sie je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich verpflichtend sind, vor allem im Rahmen von Baubewilligungen eine Rolle – anders können sie kaum überprüft werden. Bei Altbauten sind deshalb auch hier die Eltern in der Pflicht. Nach SIA-Norm muss jede Erhöhung ab einem Meter mit einem Schutzelement gesichert sein, ab eineinhalb Meter Absturzhöhe braucht es ein Geländer. Dieses ist mindestens einen Meter hoch, bei einem Geländer am Treppenlauf neunzig Zentimeter.

TIPP

10 PUNKTE FÜR MEHR SICHERHEIT

  • Während des Kochens sollten Kinder nie unbeaufsichtigt in der Küche bleiben.
     
  • Schützen Sie Knöpfe am Herd mit einer Abdeckung, damit Kinder den Herd nicht selber in Betrieb nehmen können. Auch ein Schutzgitter für die Herdplatten oder den Backofen kann sinnvoll sein.
     
  • Sicherungen gibt es auch für Schubladen: wichtig vor allem für jene Schubladen, in denen sich die scharfen Messer befinden.
     
  • Achten Sie darauf, dass elektrische Geräte – auch deren Kabel! – ausser Reichweite der Kinder sind.
     
  • Keine Stühle in der Nähe des Herdes: Die Kleinen sind schnell im Klettern.
     
  • Pfannen immer mit dem Stiel nach hinten auf den Herd stellen, damit sie nicht runtergerissen werden können.
     
  • Den Geschirrspüler immer schliessen, damit auch dort keine Messer oder andere Gegenstände in Griffnähe sind.
     
  • Bunte Messer und Küchengeräte sind zwar schön anzuschauen, erwecken bei Kindern aber schnell den Eindruck eines Spielzeugs. Vielleicht tut es für einmal auch der klassische Stil?
     
  • Schaffen Sie für Ihr Kind trotz allem auch eine Kinderzone, damit es sich nicht ausgeschlossen fühlt und beschäftigt ist. Zum Beispiel mit einem Schrank voller Plastikgeschirr.
     
  • Stellen Sie von Beginn an klare Regeln auf: Die Küche ist nicht zum Toben da, gewisse Bereiche sind strikt tabu.

Auch dürfen Öffnungen in Geländern nicht grösser als zwölf Zentimeter Durchmesser sein, damit kein Kinderkopf stecken bleiben kann. Für zusätzlichen Schutz sorgen Sie mit einem Schutzgitter am Anfang und Ende einer Treppe, damit die kleinen Racker diese noch nicht auf eigene Faust erkunden. Und nicht zuletzt: Fenstersicherungen an sämtlichen Fenstern und Balkontüren in den oberen Stockwerken nicht vergessen.

DIE EXPERTIN

Dr. med.
Colette Degrandi
,
Oberärztin Tox Info
Suisse

«ABFLUSS- UND BACKOFENREINIGER SIND AM GEFÄHRLICHSTEN»


«Bei fast 18 Prozent unserer Anrufe geht es um Unfälle von Kindern mit Haushaltsprodukten. Meistens mit Abwaschmittel oder Allzweckreinigern. Viele dieser Haushaltsprodukte sind zum Glück nur geringfügig giftig. Anders sieht es bei Abfluss- oder Backofenreiniger aus, diese sind am gefährlichsten.
Grundsätzlich gilt aber: Bewahren Sie alle Haushaltschemikalien so auf, dass sie für Kinder unerreichbar sind. In der Höhe oder in einem abgeschlossenen Schrank. Achten Sie auch während des Gebrauchs darauf, dass solche Chemikalien nicht in Kinderhände gelangen. Passiert doch einmal etwas, sollte schnell reagiert werden. Bei ätzender Flüssigkeit in den Augen spülen Sie diese sofort mit viel Wasser aus. Wurde etwas eingenommen, dürfen Sie das Kind keinesfalls zum Erbrechen bringen. Geben Sie ihm besser Wasser zu trinken (ein bis zwei Deziliter), um die Speiseröhre zu reinigen. Ausser bei schäumenden Reinigungsmitteln. Dort gilt: Finger weg von Wasser. Nach der Erstversorgung rufen Sie jederzeit Tox Info Suisse unter der Notrufnummer 145 an. Besser einmal zu viel als zu wenig!»

GEGEN VERGIFTUNGEN

Natürlich sind Strom und Erhöhungen nicht die einzigen Risiken für Kinder im Haushalt. Die meisten Gefahren lauern in der Küche (siehe Checkliste), aber auch im Badezimmer sollte sich ein Kleinkind nicht unbeaufsichtigt alleine aufhalten. Schon gar nicht in der gefüllten Badewanne – hier droht Ertrinkungsgefahr. Allgemein hängen Sie den Badezimmerschlüssel am besten etwas erhöht auf und lassen ihn nicht in der Türe stecken. Denn hat sich ein Kind einmal eingeschlossen, kann eine Menge passieren, bis es wieder befreit ist. Auch Chemikalien wie Nagellackentferner oder Ähnliches sollten nicht in Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Gleich wie Putzmittel oder Medikamente.

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INFO

ACHTUNG, VOR GIFTIGEN PFLANZEN!

Nicht nur Erwachsene finden Pflanzen schön, auch Kinder sind von ihnen fasziniert. Und probieren gerne mal aus, ob Blätter oder Blühten essbar sind. Extrem giftig sind zwar nur einige, viele Zimmerpflanzen sind aber zumindest leicht giftig. Und je nach Menge kann es für die Kleinsten gefährlich werden. Der Milchsaft in den Blättern des Gummibaums zum Beispiel führt schnell zu Übelkeit und Erbrechen. Aber auch Fensterblatt oder Dieffenbachie sollten auf keinen Fall in die Nähe von Kindern kommen. Erkundigen Sie sich deshalb beim Kauf von Pflanzen immer nach deren Giftigkeit – und verzichten Sie am besten ganz auf giftige Pflanzen. Gehts gar nicht anders, sollten diese Pflanzen zumindest für Kinder unerreichbar in die Höhe gestellt werden. Vorsicht geboten ist übrigens auch mit Restwasser im Untertopf. Vor allem, wenn gedüngt wurde.

Und selbstverständlich gilt im Garten das Gleiche: Gerade auch, weil dort oft noch viel mehr Blüten und Beeren locken, die nicht in Kinderhände oder -münder gehören.

GEGEN BEULEN

Im restlichen Haus geht es vor allem darum, scharfe Kanten abzudecken, zum Beispiel mit aufsetzbaren Rundecken. Gegenstände wie Scheren, Zangen oder auch Zündhölzer sollten nicht herumliegen. Kritische Bereiche wie etwa das Cheminée können mit einem Absperrgitter gesichert werden, damit man das gemütlich knisternde Feuer in Ruhe geniessen kann. Und nicht zuletzt: Denken Sie daran, Regale oder Fernseher fest an der Wand zu befestigen. Das bedeutet zwar etwas Arbeit. Aber das sollte einem die Sicherheit der Kinder Wert sein. Und es verhilft den Eltern später zur einen oder anderen ruhigen Minute.