Japangarten: Ein Ort der Ruhe

Kiesflächen mit harmonisch geschwungenen Hügeln, spiegelnde Wasserflächen und ruhige Linien: Ein Japanischer Garten besticht durch seine klare Struktur und lädt zu Entspannung und Meditation ein.

Text — Helen Weiss


 

FERNÖSTLICHE MEISTER

Es ist wissenschaftlich längst erwiesen: Ein schöner Garten ist die beste Wellness. Das Grün der Pflanzen setzt Glückshormone im menschlichen Gehirn frei und mit nur 20 Minuten Gartenarbeit pro Tag wird die Ausschüttung von Stresshormonen deutlich reduziert. Eine Erkenntnis, die japanische Gartengestalter schon vor Jahrtausenden hatten: Mit viel Sinn für Ästhetik, Schnittkunst und Geduld haben fernöstliche Meister den Japanischen Garten zu dem gemacht, was er heute ist – eine idealisierte Landschaft im Klein-Format. Diese anspruchsvolle Gartenkultur hat die Grenzen der asiatischen Welt mittlerweile weit hinter sich gelassen und begeistert inzwischen auch hierzulande immer mehr Hobbygärtnerinnen und -gärtner.

TIPPS


BONSAI, BAMBUS UND BUDDHA

Ein authentischer Japangarten kommt um bestimmte Stilelemente nicht herum. So gehören in jeden echten Japangarten klassische Accessoires wie Steinlaternen, Bonsais, Bambus und Wasserbecken. Letztere werden in Japan vor allem in Tempelgärten oder Teegärten verwendet – zum Waschen von Mund und Händen vor dem Gebet oder der Tee-Zeremonie. Das Wasser fliesst meistens durch Bambusröhren in das Wasserbecken. Auch Steinleuchten haben eine lange Tradition in Japan. Sie strahlen ein eher gedämpftes Licht aus und sorgen so für eine geheimnisvolle Stimmung im Garten. Besonders gut kommen sie daher in der Abenddämmerung zur Geltung. Buddha-Statuen, in allen Variationen, Grössen und Materialien, betonen die fernöstliche Atmosphäre zusätzlich – je nach Aussehen unterscheiden sie sich auch in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung. Zwar erzeugen Accessoires rasch eine fernöstliche Atmosphäre, übertreiben sollte man es damit aber nicht. Eine Faustregel lautet, dass man – egal wo man im Garten steht – nicht mehr als ein Deko-Element gleichzeitig sehen sollte.

Um einen Japangarten anzulegen, bedarf es im Vorfeld exakter Planung. Ziel ist es, sämtliche Elemente – wie etwa Wasser, Steine, Felsen, Kies und Pflanzen – perfekt aufeinander abzustimmen, um ein rundes Konzept zu erhalten, welches zum Entspannen einlädt. Eines aber vorweg: Bei der Gestaltung eines Japanischen Gartens geht es nicht darum, eine Fläche anzulegen, die «japanisch» aussieht. Um fernöstlichen Flair zu erzeugen, benötigt man auch keine Accessoires mit asiatischen Schriftzeichen. Ganz im Gegenteil: Die Grenze zum Kitsch ist nämlich schnell überschritten. Dennoch lassen sich einige typische Stilelemente einbauen.

TIPPS


HARKEN, MEDITIEREN, ENTSPANNEN

Das Harken von Sand und Kies gilt in der Zen-Philosophie als eine Art der Meditation: Das Wellenmuster soll an die Bewegung von Wasser erinnern – deshalb ist eine weitläufige Kiesfläche im Japangarten unabdingbar. Hierbei ist es wichtig, dass der Boden eben ist. Allenfalls hilft es, die Erde kräftig zu walzen. Ein ausgelegtes Unkrautvlies verhindert später das Aufkommen unerwünschter Beikräuter. Nun wird so viel Zierkies oder -splitt aufgefüllt, dass die Fläche später problemlos und leicht geharkt werden kann. Da die Kiesfläche die Bewegung des Wassers repräsentiert und somit für Entspannung sorgt, ist es wichtig, die Wellenformen ohne erkennbaren Anfang und ohne erkennbares Ende in den Kies zu harken. Zum Zen-Garten gehören auch immer ein paar grössere Steine – sie stehen für Tiere, die in der Natur eingebunden sind. Bonsais im Zen-Garten versinnbildlichen hingegen das sich ständig regenerierende Leben, während das Moos für Weisheit steht. Da ein Zen-Garten besonders durch Minimalismus hervorsticht, sollten diese dekorativen Elemente nur sparsam eingesetzt werden.

PERFEKTE MINI-LANDSCHAFT

Viel eher sollte man den Fokus auf die japanische Philosophie richten, ein urwüchsiges, aber harmonisches und in sich geschlossenes Gartenbild zu erzeugen. So verwandeln sich wellenförmig geharkte Kiesbeete mit ein bisschen Fantasie in weitläufige Meere, kunstvolle Garten-Bonsais werden zu sturmzerzausten Baumriesen und kleine Felsen wachsen zu grossen Gebirgen heran.

In den sogenannten «Wandelgärten» nach japanischem Vorbild, die zu einem beschaulichen und erholsamen Spaziergang einladen, darf ein Teich mit kleinen Stein-Inseln nicht fehlen.

Japangärten sind bis ins kleinste Detail mit unterschiedlichen Gestaltungselementen geplant und stehen in Harmonie mit ihrer Umgebung. Die Grundstücksgrösse ist dabei unerheblich: In Japan – einem Land, in dem Boden sehr knapp und teuer ist – verstehen es Gartengestalter meisterhaft, auf wenigen Quadratmetern eine perfekte Mini-Landschaft anzulegen. Dies gelingt umso besser, wenn die Begrünung sorgfältig ausgewählt wird. Typische Pflanzen im Japanischen Garten sind Moos, Kamelie, Ahorn, Zierkirsche, Azalee und Bambus.

DER EXPERTE

Roger Wüst,
Geschäftsführer der
Koi-Breeder AG
in Schinznach-Dorf

«KOI KARPFEN AUCH IN EUROPA VERBREITET»


«Koi-Karpfen haben in Japan eine lange Tradition und galten lange als Statussymbol von Adligen. Heute sind sie auch in Europa weit verbreitet. Die Haltung im eigenen Gartenteich ist nicht sonderlich anspruchsvoll. Koi benötigen jedoch eine Wassermenge von bis zu 1500 Litern pro Fisch. Entsprechend ist eine Teichgrösse ab rund 8000 Liter erforderlich. Wichtig ist zudem eine Umwälzung des Wassers mit einer Filtration, die auf die jeweilige Teichgrösse angepasst ist.

Vor allem im Sommer ist es notwendig, den Teich ausreichend zu belüften, da bei hohen Temperaturen weniger Sauerstoff im Wasser gelöst ist. Im Winter sollte darauf geachtet werden, dass sich keine geschlossene Eisdecke auf dem Teich bildet. Der Koi ist ein Allesfresser. In seinem natürlichen Lebensraum verspeist er Wasserinsekten, Muscheln, Schnecken und pflanzliche Stoffe. Koi müssen während der warmen Jahreszeit täglich gefüttert werden. Am besten mehrfach täglich in kleinen Rationen. Dadurch werden Filterbakterien gleichmässig beansprucht, und die Wasserwerte unterliegen keinen grossen Schwankungen.»

OFFENE WASSERFLÄCHEN

Die klassische japanische Gartengestaltung verzichtet auf Weg-Einfassungen. Um die einzelnen Flächen voneinander abzugrenzen, dienen Wege aus Trittsteinplatten: Sie schlängeln sich durch den Garten und führen Besucherinnen und Besucher an Beeten mit blühenden Pflanzen und gut platzierten Accessoires vorbei. So kann der Blick immer bewusst in bestimmte Richtungen und auf ganz besondere Highlights gelenkt werden. Dazu zählt etwa ein Wasserschöpfbecken aus Stein, denn das Element Wasser zählt zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln im Japangarten.

CHECKLISTE

SCHNITT FÜR SCHNITT ZUM MINI-BAUM

In jeden Japanischen Garten gehört auch ein Bonsai – er stellt die Wuchsform eines alten, wettergegerbten Baums in Miniaturausführung dar. Mit dem richtigen Schnitt kann aus jedem Jungbaum ein Bonsai entstehen. Für einen richtigen Miniatur-Baum braucht es je nach Wuchsgeschwindigkeit und Alter einige Jahre bis Jahrzehnte liebevoller Pflege.

  • Ist der Jungbaum ausgewählt, wird zuerst einmal beherzt gekappt – denn nur durch radikalen Rückschnitt gelingt eine klassische Bonsai-Kreation.
  • Mit dem Grundschnitt werden zunächst alle Zweige entfernt, die die angestrebte Linie stören.
  • Quer und nach innen wachsende Äste und alle Triebe, die nicht zur späteren Form passen, werden entfernt.
  • Dabei muss auf die Ausrichtung der Knospen geachtet werden, denn in diese Richtung wächst der Zweig.
  • Anfänger tun sich mit symmetrischen Formen wie etwa Kugelkronen am leichtesten.
  • Damit das Bonsai-Bäumchen kompakt bleibt, benötigt es jeweils im Frühjahr einen regelmässigen Erhaltungsschnitt.
  • Neben dem Schneiden ist das Drahten unverzichtbar zum Formen eines Bonsais. Indem man Kupferdraht um die Äste des Baums wickelt, kann man sie biegen und positionieren.
  • Bei jedem Umtopfen stutzt man auch den Wurzelballen rundherum mit einer scharfen Schere.

Wer über genügend Platz verfügt, plant einen Teich mit kleinen Stein-Inseln und Seerosen. Dabei sollte ein Teil der Wasserfläche immer offen bleiben, damit sich die Wolken und die Pflanzen des Ufers darin spiegeln können. Über grössere Wasserflächen spannt sich eine Bogenbrücke aus Holz oder Stein, bei kleinen Teichen führen schmale Stege oder einzelne Trittsteine von Ufer zu Ufer.