Tipps fürs WC

Wie halte ich das WC sauber? Die Frage wirkt auf den ersten Blick trivial. Doch mit ein paar Tipps lässt sich die Reinigung effizienter und umweltschonender gestalten. Und: Wie hat man eigentlich vor Erfindung der modernen Toilette die Notdurft verrichtet?

Text — Tanja Seufert

 

Die einen sagen ihm liebevoll «Hüsli», andere nennen es kultiviert «Toilette» und manche nennen es schlicht «Schyssi» – die Rede ist vom WC. Der Toilettengang wird heutzutage als intim empfunden, doch das war nicht immer so (siehe Interview). Ob hinter verschlossener Tür oder nicht, das stille Örtchen soll heute vor allem eines sein: sauber. Doch das ist einfacher gesagt als getan – vor allem, wenn das WC von vielen Personen genutzt wird und man auf aggressive Reinigungsmittel verzichten möchte. 
 

DER EXPERTE

Urs Leuzinger
(PD Dr. habil.) leitet das Museum für Archäologie des Kantons Thurgau.

«IM SCHLOSS VERSAILLES GAB ES NUR EIN EINZIGES WC»

Herr Leuzinger, was gilt als erste Toilette in der Geschichte der Menschheit?
Wo das erste WC in Betrieb war, kann man nicht beantworten. Vielleicht suchte bereits der Neandertaler verschämt eine geschützte Stelle hinter einem Findling auf? Die archäologisch exakt eingemessenen Kothäufchen aus Pfahlbaufundstellen am Bodensee belegen, dass man vor über 5000 Jahren sein Geschäft überall im Dorf verrichtete. Als Abwischmaterial wurde übrigens feuchtes Moos verwendet. Spätestens die Römer hatten dann wassergespülte Latrinen.

Einige Beispiele: Wie haben Menschen im alten Rom, bei uns im Mittelalter und zu Beginn der Industrialisierung ihre Notdurft verrichtet?
In der Römerzeit gab es öffentliche Latrinen. Dort sass man auf langen Steinbänken mit eingelassenen Löchern und verrichtete seine Notdurft in geselliger Runde. Wasserkanäle spülten die Fäkalien weg. Ein seltener Befund stammt aus der römischen Siedlung Tasgetium (Eschenz, Kanton Thurgau). Dort fand man im wassergesättigten Sediment eine vollständige WC-Konstruktion aus Eichenholz, die ins Jahr 77 nach Christus datiert. In Pompeji sind sogar Klos im ersten Stock nachgewiesen! 
Auch aus mittelalterlichen Klöstern, Burgen und Städten sind Latrinen belegt. Oft befand sich das Plumpsklo in einem Abort-Erker. Daneben nutzte man auch die engen Gassen. Weniger begüterte Personen hatten jeweils einen Nachthafen unter dem Bett, dessen Inhalt man dann morgens via Fenster in die Strasse entleerte. Bemerkenswert ist, dass im Schloss Versailles mit seinen über 2000 Gemächern nur ein einziges fest eingebautes WC vorhanden war. Der französische Adel nutzte Cheminées, Nachthäfen oder ging direkt in die Rosenbüsche des weitläufigen Parks.

Heute ist so ein «WC» unvorstellbar. Warum hat sich unsere Einstellung zum Klo so geändert?
Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man die Gefahr, die von durch Fäkalien verunreinigtem Trinkwasser ausging. In den Städten wurden zur Bekämpfung von Cholera und Typhus Kanalisationssysteme gebaut und es entstanden nach und nach WC-Anlagen in den Häusern. Zudem stieg der Wunsch nach Privatsphäre, man zog sich im wahrsten Sinn des Wortes auf das stille Örtchen zurück. Das Gefühl der geselligen römischen Latrine hat man heutzutage eigentlich nur noch in der Halbzeit-Pause auf dem Pissoir eines Fussballstadions ...

Und welche Toilette gilt heute als State-of-the-Art?
In der Schweiz sind heute nahezu alle Gebäude an die Kanalisation angeschlossen. Plumpsklos findet man nur noch in Alphütten sowie in Form eines Toi-Tois auf einer Baustelle. Nach oben sind heutzutage alle Wünsche offen. Vom ersten Klosett, einem mit Blei ausgeschlagenen Holzspülkasten der Brüder Emil und Leo Gebert aus dem Jahr 1905, bis hin zum modernsten Dusch-WC hat die Geschichte der Toilette in der Schweiz eine rasante Entwicklung durchgemacht. Die WCs sind heute teilweise regelrechte Hightech-Produkte. Sie saugen üble Gerüche ab, lassen Vogelgezwitscher erklingen und lassen sich individuell auf die einzelnen Benutzerinnen und Benutzer einstellen.


WO SICH DIE KEIME TUMMELN

Die Bauart einer Kloschüssel hat entscheidenden Einfluss darauf, wie einfach die Toilette zu reinigen ist. Bei herkömmlichen Kloschüsseln mit Spülrand sollte man eine WC-Bürste mit Randreiniger oder eine kleine Extra-Bürste verwenden, um die Rille richtig reinigen zu können. Der Spülrand dient übrigens dazu, dass beim Spülen kein Wasser aus der Toilette spritzt. 

Moderne Klos kommen ohne Spülrand aus. Sie sind hygienischer, da sich unter dem Rand keine Schmutzreste und Bakterien absetzen können. Dafür muss die WC-Brille häufiger gereinigt werden. Und: Zwar spülen spülrandlose WCs einiges leiser als herkömmliche Toiletten, doch dauert das Spülen länger. Ob mit oder ohne Spülrand, ist also Geschmackssache.

INFO

HOCHWERTIGE KERAMIK FÜR WENIGER AUFWAND

Beim Kauf einer neuen Toilette sollte man auf das Material achten – es soll pflegeleicht, einfach zu reinigen, kratzfest und langlebig sein. Neue WCs werden häufig mit einer Beschichtung angeboten, die Schmutz und Wasser abperlen lassen. Mit einer schmutzabweisenden Oberfläche verringert sich der Reinigungsaufwand. Um die Beschichtung über die Jahre so wenig wie möglich abzutragen, ist es ratsam, nicht scheuernde Reinigungstücher bzw. -schwämme und milde Allzweckreiniger zu benutzen. Beschädigt wird Keramik – auch solche ohne schmutzabweisende Beschichtung – durch die häufige Anwendung von Scheuermilch, hochkonzentriertem Abflussreiniger oder chlorhaltiger Bleiche.


DIE TOILETTE IST DIE LETZTE PUTZ-STATION

Wie oft soll man das WC eigentlich reinigen, jeden Tag oder einmal pro Woche? Das hängt ganz von der Anzahl Personen ab, die das Klo nutzen – und von den eigenen Ansprüchen. Manche Familien schwören auf eine abendliche Blitzreinigung der WC-Sitzbrille, zum Beispiel mit einem Einweg-Reinigungstuch. So wandert nicht jeden Abend ein Microfasertuch in die Wäsche. Denn beim Badputzen ist die Toilette bekanntlich zuletzt dran – danach sollte man den Lappen mit 60 Grad waschen, um allen Keimen den Garaus zu machen.

INFO

WC-REINIGER SELBER MACHEN: SO GEHT'S

Zitronensäurepulver – oder Essigessenz – und Natron sind wirksame Mittel gegen Urinstein und Kalkablagerungen. Beide sind zudem biologisch abbaubar. Sie können davon je zwei Teelöffel in die Kloschüssel geben und vor dem Schrubben ca. 15 Minuten einwirken lassen.


Rezept für ein flüssiges Putzmittel:

Sie benötigen:
 2 EL Speisestärke
 2 EL Zitronensäure
 10 ml Flüssigseife 
 600 ml Wasser

Anleitung:

  1. Kochen Sie 100 Milliliter Wasser ab und stellen es zum Abkühlen zur Seite.
  2. Die Speisestärke mit dem restlichen Wasser in einem Topf kurz aufkochen, sodass eine zähe, milchige Masse entsteht.
  3. Die Zitronensäure in das abgekochte und abgekühlte Wasser rühren und danach die Seife hinzufügen.
  4. Vermischen Sie die beiden Flüssigkeiten und füllen Sie sie zum Aufbewahren in eine saubere Flasche. 

Quelle: Ökotest


REINIGUNGSMITTEL: CHEMIE ODER NATUR?

Für die umfangreichere Reinigung empfiehlt sich ein Microfasertuch plus Allzweckreiniger und allenfalls ein spezieller WC-Reiniger für die Kloschüssel. Gerade bei normalem Verschmutzungsgrad muss es nicht immer Chemie sein: Öko-Reiniger oder Hausmittel (siehe Tipp) sind eine gute Alternative zu scharfen Reinigungsmitteln. Desinfektionsmittel sind übrigens nur nötig, wenn ein Familienmitglied an einem Magen-Darm-Infekt erkrankt ist – ansonsten reicht eine normale Reinigung hygienetechnisch aus.

Bei hartnäckigen Verschmutzungen wie Urinstein- und Kalkablagerungen sollte man das Reinigungsmittel – ob aus dem Handel oder selbstgemacht – am besten über Nacht einwirken lassen. Mechanische Reinigung, sprich kräftiges Schrubben, liefert anschliessend immer noch das beste Resultat. Das gilt auch bei Verstopfungen: Hier ist die gute alte Saugglocke oder eine Federspirale einem chemischen Ablaufreiniger vorzuziehen. Auf solche aggressiven Reinigungsmittel sollte man möglichst verzichten. Denn: Kläranlagen können nicht alle chemischen Substanzen aus dem Abwasser filtern, bevor das Wasser wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird. So gelangen manche Substanzen in die Umwelt und schaden nicht nur Wasserorganismen, sondern letztlich auch uns selbst.


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