Hygiene: so werden Textilien richtig sauber
An die Toilette denken die meisten, und auch die Küche wird regelmässig geputzt. Aber wann wurden die Vorhänge zuletzt gewaschen, der Teppich shampooniert und das Kopfkissen gewechselt? Wieso das wichtig und wie oft richtig ist.
Text — Thomas Bürgisser
Unser Zuhause ist voller kleiner Mitbewohner und Partikel, die uns ab einer gewissen Menge nicht unbedingt guttun. Vor allem Allergikerinnen und Allergiker leiden, zum Beispiel wegen Hausstaubmilben oder Pollen. Aber auch für andere kann es gefährlich werden, wenn das Haus oder zumindest gewisse Orte darin zum Pilzparadies oder Bakterienherd werden. Und so putzen wir selbstverständlich die Toilette regelmässig, reinigen nach dem Kochen die Arbeitsplatte in der Küche und saugen wöchentlich den Boden im Wohnzimmer. Einige Orte aber gehen nicht selten etwas vergessen.
DAS BETT
Täglich rund acht Stunden verbringen wir im Bett. Dabei verlieren wir durch Schwitzen schnell einmal einen Liter Flüssigkeit. Ein ideales, feucht-warmes Klima für Hausstaubmilben, Pilze und Bakterien. Dagegen hilft täglich gutes (Aus-)Lüften des Schlafzimmers, der Decke und der Matratze. Und natürlich regelmässiges Waschen. Alle zwei Wochen sollte die Bettwäsche gewechselt werden, mit Allergien wöchentlich.
Bei Kissen und Decke verrät das Etikett, ob eine Reinigung in der eigenen Waschmaschine möglich ist oder zwei- bis viermal jährlich die professionelle Reinigung beauftragt werden sollte. Umstritten ist, ob das monatliche Absaugen gegen Milben hilft oder eher kontraproduktiv ist. Zumindest Staub, Hautschuppen und Essensreste werden dabei entfernt. Als Hausmittel gegen Milben, aber auch Flecken und Gerüche gilt ausserdem Natron oder Backpulver, das über die Matratze gestreut und nach einigen Stunden wieder abgesaugt wird. Für hartnäckige Verschmutzungen kann man diese Hausmittel mit etwas Wasser mischen. Feuchtigkeit sollte jedoch so wenig wie möglich eingesetzt werden. Und allergische Personen setzen in jedem Fall sicher besser auf Milbenschutzbezüge.
DER EXPERTE

Prof. Dr. med. Camillo Ribi
Präsident Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie Leitender Arzt Universitätsspital Lausanne
«BEI EINER HAUSSTAUBMILBENALLERGIE IST VOR ALLEM DIE MATRATZE EIN PROBLEM»
Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass man Textilien wie Bettwäsche regelmässig wäscht?
Bei einer Hausstaubmilbenallergie ist vor allem die Matratze ein Problem, hier fühlen sich Milben besonders wohl. Da deren Reinigung jedoch oft nur umständlich möglich ist, machen wir die besten Erfahrungen mit Milbenschutzbezügen. Studien dazu sind mir aber keine bekannt. Auch für Decken und Kissen gibt es solche Bezüge. Oder man schaut beim Kauf, dass sie zumindest bei 60 Grad gewaschen werden können. Erst dann löst sich der allergieauslösende Milbenkot auf. Bei 30 bis 40 Grad werden einzig die Milben abgetötet. Dafür braucht es übrigens kein Spezialwaschmittel.
Wie sieht es bei anderen Textilien aus?
Natürlich hilft es auch, wenn Sofabezüge oder Vorhänge gewaschen werden. Gerade das Abhängen von Vorhängen wirbelt aber so viel Staub auf, dass es umstritten ist, ob es Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie gesamthaft nicht mehr schadet als nützt. Am idealsten ist sicher, wenn sie die Arbeit nicht selber machen.
Kann man Textilien in Bezug auf Allergien auch zu viel waschen?
Am ehesten kontraproduktiv könnte zu häufiges Reinigen der Umwelt bei Kindern sein, die noch keine Allergien haben. So gibt es Studien, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, im Vergleich zu Städtern, welche in einer sehr sauberen Umgebung aufwachsen, weniger oft Allergien entwickeln. Bei Kindern und Erwachsenen mit einer Hausstaubmilbenallergie macht es hingegen durchaus Sinn, das Bettzeug häufig zu waschen.
SOFAS UND ZIERKISSEN
Clever ist, wer bei Stoffsofa und Zierkissen schon beim Kauf darauf achtet, dass Bezüge abnehm- und waschbar sind. Das erleichtert die ein- bis zweimal jährlich empfohlene Intensivreinigung. Alternativen sind Dampfreiniger oder Waschsauger, die sich vielleicht mit Nachbarn teilen oder mancherorts auch mieten lassen. Abgesehen davon reicht für nicht-allergische Personen grundsätzlich das wöchentliche Absaugen mit dem Staubsauger. Schliesslich kostet jedes Waschen auch Energie, Waschmittel und Wasser und ist zudem eine Belastung für die Textilien. Kleineren Flecken macht man deshalb besser mit Hausmitteln wie Natron und Backpulver den Garaus. Auch mit etwas Waschmittel kann man es probieren, oder dann mit spezifischem Polsterreiniger.
TEPPICHE
Auch für Teppiche gibt es spezielle Reiniger, die sich je nach Produkt nass oder trocken einarbeiten und absaugen lassen. Auch Waschsauger und Dampfreiniger bieten sich hier an. Nicht fix verlegte Teppiche können je nach Material selber in der Waschmaschine gewaschen werden. 60 Grad sind jedoch nur bei wenigen Teppichen möglich, weshalb meist eher eine professionelle Reinigung angesagt ist, je nach Einsatzort ein- bis zweimal jährlich oder alle zwei, drei Jahre. Dazwischen helfen auch einmal das Aufhängen im Freien und das Ausklopfen über die Unterseite. Und natürlich der Staubsauger. Bei Allergikern sollte dieser aber über einen HEPA-Filter verfügen, der selbst kleinste Partikel herausfiltert. Wer an Allergien leidet oder Kinder und Tiere im Haushalt hat, greift am besten zwei- bis dreimal wöchentlich zum Staubsauger. Ansonsten reicht meist einmal wöchentlich.
INFO
WASCHEN BEI WIE VIEL GRAD?
Milben werden bereits bei 40 Grad abgetötet und auch für viele Bakterien reichen 40 bis 45 Grad, wenn dazu Waschmittel mit Bleiche verwendet wird, beziehungsweise 50 Grad ohne Bleichmittel. Pilze hingegen erfordern meist 60 Grad und auch der Milbenkot wird erst in diesem Temperaturbereich herausgewaschen. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt also das 60-Grad-Programm und dafür geeignete Textilien. Gleichzeitig gilt jedoch auch: Je höher die Waschtemperatur, desto höher sind Energieverbrauch und Abnutzung der Textilien. Allenfalls reichen deshalb auch 60 Grad bei jedem zweiten Waschgang. Der Entscheid aber ist individuell und auch abhängig von allergischen oder vulnerablen Personen im Haushalt.
VORHÄNGE
Mit ihrer Platzierung vor den Fenstern sind Vorhänge nicht zuletzt für Pollen anfällig. Aber auch Hausstaub verfängt sich in den Vorhängen – inklusive der darin lebenden Hausstaubmilben. Viele Vorhänge lassen sich in der eigenen Waschmaschine waschen. Die empfohlene Maximaltemperatur von meist 30 Grad hilft gegen Milben jedoch wenig. Entweder man schaut mit einer Hausstaubmilbenallergie also darauf, dass 60 Grad möglich sind, oder macht sich die Kälteempfindlichkeit der Milben zunutze und legt den Vorhang idealerweise 48 Stunden in den Gefrierschrank vor dem Waschen – funktioniert auch bei Plüschtieren! Ansonsten reicht meist zwei- bis dreimal jährlich waschen, allenfalls in einem Kissenbezug, falls sich Kleinteile nicht abnehmen lassen. Wer den Vorhang zum Trocknen übrigens gleich wieder aufhängt, verhindert unerwünschte Falten. Dabei aber das Lüften nicht vergessen. Ansonsten schafft man direkt wieder das ideale Klima für unliebsame Mitbewohner.
Hier finden Sie die Checkliste «Was bedeuten die Waschsymbole» als PDF zum Download
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
- HAUSmagazin: Das perfekte Haus für Allergiker
- aha! Allergiezentrum Schweiz: Informationen und Tipps rund um Allergien
- HAUSmagazin: Wir wäscht man Kleider richtig und umweltschonend?
- Pollenprognose Meteo Schweiz: Welche Pollen sind wann unterwegs?