Die Wahl der passenden Heizung
Systeme, Materialien, Gesetze: Wer saniert, muss sich im Voraus gut informieren. Wir lichten den Dschungel.
Text — Thomas Bürgisser
FORTSCHRITT SEI DANK!
Solange die Heizung läuft, wie sie sollte, geht sie oft vergessen. Dabei lohnt es sich, ab und zu ein bestehendes Heizsystem mit Alternativen zu vergleichen. Und Veraltetes zu modernisieren, bevor es plötzlich schnell gehen muss und kaum noch Zeit für einen seriösen Vergleich bleibt. Ausserdem profitiert mehr, wer früher ersetzt: Immerhin geht die Sanierung eines veralteten Heizsystems heute praktisch immer auch einher mit weniger Energieverbrauch und mehr Umweltschutz.
TIPP
DAS HEIZSYSTEM IST NUR DIE HALBE MIETE
In gut gedämmten Häusern wird knapp die Hälfte des Wärmebedarfs für das Warmwasser aufgewendet. Es lohnt sich also, nicht nur das Heizsystem, sondern auch die Warmwasseraufbereitung zu modernisieren. Wer auf Fernwärme oder eine Wärmepumpe setzt, kann auch gleich das Brauchwasser umweltfreundlich mit der Heizung aufwärmen. Bei der Pelletheizung ist bereits fraglich, ob diese im Sommer «nur» für das Warmwasser in Betrieb genommen werden soll. Gleiches gilt bei der Gasund der Ölheizung. Die ideale Ergänzung ist hier vielmehr eine thermische Solaranlage oder ein Wärmepumpenboiler.
Dafür sorgt der Gesetzgeber, aber auch schlicht der technische Fortschritt. Bei jedem System. So sind Öl- und Gasheizungen in den letzten Jahrzehnten viel effizienter und damit sauberer geworden. Auf diese setzt in der Schweiz noch immer eine Mehrheit der Hausbesitzer. Und darf dies auch weiterhin: Die Musterenergievorschriften der Kantone MuKEn 2014 etwa verbieten den Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch neuere Modelle nicht.

MuKEn: Kantonaler Stand der Umsetzung
FERNWÄRME
Nichtsdestotrotz: Umweltschonender fährt, wer auf erneuerbare Energien setzt. Da wäre zum Beispiel die Fernwärme, eine der einfachsten Lösungen überhaupt. Zwar lässt sich darüber streiten, ob es sich dabei wirklich um erneuerbare Energie handelt. Kommt die Wärme von einer Holzschnitzelanlage? Oder aus einer Kehrichtverbrennungsanlage? Immerhin ist die verwendete Wärme aber auch bei letzterem schlicht ein Nebenprodukt, das quasi zusätzlich verwertet und über ein Netz an die Kunden weitergeleitet wird. Am Haus selbst braucht es dann nur noch einen Wärmetauscher, der die Wärme an den hauseigenen, bestehenden Heizkreislauf und Boiler weiterleitet. Heizungsanlage sowie Kamin entfallen. Dafür bindet man sich vertraglich oft über längere Zeit an einen Anbieter.
DER EXPERTE

Olivier Brenner,
Stellvertretender
Generalsekretär
Konferenz Kantonaler
Energiedirektoren
«DIE ENERGIE NICHT EINFACH VERPUFFEN»
Olivier Brenner, zurzeit wird in mehreren Kantonen die Umsetzung der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich MuKEn 2014 diskutiert, teilweise sind sie auch schon umgesetzt. Sind ab dann keine Öl- und Gasheizungen mehr erlaubt?
In den MuKEn ist kein Öl- und Gasheizungsverbot enthalten. Auch keine Sanierungspflicht, niemand muss also die bestehende Heizung entfernen. Sogar der Ersatz durch neuere Modelle ist weiterhin kein Problem, sofern das Gebäude der Energieklasse D gemäss Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) entspricht. Dabei geht es darum, dass die Energie nicht einfach verpufft. Die meisten nach 1990 erstellten Gebäude sind dafür aber genug gedämmt, bei älteren muss oft zuerst nachgedämmt werden.
Und wenn dies nicht möglich ist?
Dann gibt es auch noch andere Möglichkeiten. So sind in den MuKEn elf Standardlösungen definiert, mit denen eine Mindestmenge von zehn Prozent erneuerbare Energie erreicht wird, die dann ebenfalls eine Öl- oder Gasheizung zulassen. Dazu gehört etwa ein Wärmepumpenboiler, der mit eigenem Photovoltaikstrom betrieben wird. Oder eine Solarthermieanlage für das Warmwasser.
Gibt es zu anderen Heizsystemen Vorschriften in den MuKEn?
Zu Heizsystemen mit erneuerbaren Energien sind in den MuKEn keine Vorschriften vorgesehen. Einzig noch zum Wärmeverteilsystem. So dürfen neue Radiatoren nur noch mit höchstens 50 Grad und neue Bodenheizungen mit 35 Grad Vorlauftemperaturen betrieben werden. Aber auch hier: Bestehendes bleibt, es gibt keine Sanierungspflicht.
WÄRMEPUMPE
Unabhängiger bleibt man mit einer Wärmepumpe. Diese nutzt die Umgebungswärme aus dem Boden oder der Luft für die Heizung. Quasi gratis – und damit im Betrieb günstiger als mit Öl oder Gas. Zur Umwandlung der Wärme wird jedoch Strom benötigt. Wie viel, das ist auch davon abhängig, wie hoch die Vorlauftemperaturen sein sollen.
Bei der Wärmepumpe wird die Wärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser für die Heizung genutzt.
Entsprechend eignen sich Wärmepumpen vor allem für Bodenheizungen. Auch sollte die Gebäudehülle bereits gedämmt sein. Dies macht allgemein Sinn vor einem Heizungsersatz. Gut erkundigen sollte man sich ausserdem über allfällige Vorschriften bezüglich Lärmemissionen (Luft-Wasser-Wärmepumpe) oder Bohrerlaubnis (Erdsonde). Zu bedenken sind auch die vergleichsweise hohen Investitionskosten, vor allem bei der Erdsonden-Lösung.
ZU JEDER REGION, ZU JEDEM HAUS UND SEINEN BEWOHNERN PASST EINE ANDERE LÖSUNG
HOLZHEIZUNG
Ebenfalls nicht günstig ist die Holzheizung, zum Beispiel mit Pellets: Drei- bis viermal teurer als eine Ölheizung kann eine Anlage ausfallen. Dafür ist der Unterhalt günstiger, wie jetzt das Holz selbst. Entsprechend amortisieren sich die höheren Kosten.

Holzpellet-Heizkessel sind heute einfach bedienbar: Die Aschebox zum Beispiel lässt sich mit nur wenigen Handgriffen entfernen.
Vor allem aber ist die Holzheizung umweltfreundlicher. Denn Holz ist nicht nur nachwachsend, sondern kann auch gleich aus der Schweiz oder zumindest aus dem nahen Ausland bezogen werden. Wer bisher auf eine Ölheizung setzte, kann den Tankraum ausserdem gleich als Lagerraum nutzen.
CHECKLISTE
VOR- UND NACHTEILE DER HEIZSYSTEME
VORTEILE | NACHTEILE | |
FERNWÄRME |
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WÄRMEPUMPE |
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PELLET- HEIZUNG |
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GASHEIZUNG |
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ÖLHEIZUNG |
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FRÜH GENUG INFORMIEREN!
Und welche Heizung passt nun am besten? Wenn eine pauschale Antwort darauf so einfach wäre, gäbe es wohl längst nur noch ein System. Fakt aber ist: Zu jeder Region, zu jedem Haus und seinen Bewohnern passt eine andere Lösung. Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig über die Optionen zu informieren. Und nicht erst, wenn im Winter die alte Heizung aussteigt. Denn dann bleibt oft nur noch Zeit für einen 1-zu-1-Ersatz. Und selbst da braucht es einiges an Planung, je nach allfällig nötigen Begleitmassnahmen.