My home is my office

Um zu Hause konzentriert arbeiten zu können, soll das Homeoffice klar vom Wohnbereich getrennt sein – so stellt sich eine angenehme Arbeitsatmosphäre ein.

Text — Helen Weiss


 

FUNKTIONALE ASPEKTE BEACHTEN

Von Zuhause zu arbeiten klingt für viele Arbeitnehmende nach Freiheit, Selbstbestimmung und Entspannung. Es gibt keine Chefin, die einem im Nacken sitzt, und keine nervigen Kollegen, die einen mit ihren Marotten zum Wahnsinn treiben. Kein Wunder also, ist Homeoffice beliebt: Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte arbeitet über ein Viertel der Schweizer Bevölkerung regelmässig von zu Hause aus. Doch nur wer sein Homeoffice richtig gestaltet, arbeitet auch effektiv. Der Schreibtisch in der Wohnzimmerecke oder der Küchentisch als Büropult sind folgerichtig denkbar ungeeignet. Denn es gilt zu Hause nicht nur eine klare Trennung zwischen Job und Freizeit vorzunehmen, sondern auch, sich vor möglichen Ablenkungen – etwa durch die Familie – zu schützen.

Foto: jnyemb/flickr

Helle Räume unterstützen die Arbeitsatmosphäre und das Sonnenlicht kann die Arbeitsleistung sogar anregen.

Wer sich bei der Einrichtung des Homeoffice neue Möbel zulegt, sollte neben einer ansprechenden Gestaltung vor allem auch auf funktionale Aspekte achten. So muss der Schreibtisch genügend gross sein, um Platz für einen Computer, einen Drucker, ein Telefon und einen Scanner zu bieten.

TIPP

LICHT FÜRS HOMEOFFICE

Der Blick am Bildschirmarbeitsplatz springt mehr als zehntausend Mal pro Tag zwischen Unterlagen, Tastatur und Computer hin und her – eine enorme Leistung der Augen. Diese ist nur zu vollbringen, wenn die Beleuchtung am Arbeitsplatz stimmt. Künstliches Licht kann das Tageslicht zwar gut imitieren, vermag aber nicht alle dessen Vorteile auf sich zu vereinen. Darum ist die wichtigste Grundregel für jedes Homeoffice: So viel Tageslicht wie nur möglich.


SCHATTENWURF VERMEIDEN

Dabei sollte das gezielte Ausleuchten des Arbeitsplatzes vorab eingeplant werden. Im Idealfall kommt eine helle Ausleuchtung von oben, wofür sich die Anschaffung einer guten Deckenleuchte lohnt. Wenn dies nicht möglich ist, empfehlen sich Schreibtischleuchten mit Halogenlampen oder LED-Beleuchtung, die sich gezielt auf den Arbeitsplatz ausrichten lassen. Am besten probiert man mehrere Platzierungsvarianten aus. Nach Möglichkeit sollte vermieden werden, dass Schattenwürfe das Lesen am Arbeitsplatz erschweren. Die Beleuchtung sollte zudem nicht direkt auf Bildschirme oder widerspiegelnde Flächen gerichtet sein. Dies, um störende Reflektionen zu vermeiden.

GUTE STÜTZE FÜR DEN RÜCKEN

Im Idealfall stattet man sein Homeoffice mit einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch aus, so dass man zwischendurch im Stehen arbeiten kann. Allenfalls bietet sich auch ein Modell mit Schraubfüssen an, das sich auf die passende Arbeitshöhe einstellen lässt. Platziert wird der Tisch im rechten Winkel zum Fenster. Das verhindert Reflexionen auf den Bildschirm und man schaut während des Arbeitens nicht gegen das Licht. Sind im Schreibtisch keine Schubladen integriert, empfiehlt es sich unbedingt, noch einen Rollcontainer oder etwas Vergleichbares zuzulegen, um Akten und Krimskrams aufzubewahren.

DIE EXPERTIN

Nicola Jacobshagen,
Arbeitspsychologin,
Dozentin und Coach

«MIT DEM ARBEITGEBER KLARE VERHÄLTNISSE SCHAFFEN»


«Dank des technologischen Fortschritts ist es heute möglich, von quasi überall aus zu arbeiten. Entsprechend ist der Wunsch vieler Angestellten gestiegen, sich ein Homeoffice einzurichten. Dabei wird oft vergessen, von vornherein mit dem Arbeitgeber klare Verhältnisse zu schaffen und gewisse Punkte allenfalls vertraglich festzuhalten. So gilt es etwa zu klären, ob Arbeitsgeräte wie Laptop oder Handy sowie die Büroeinrichtung vom Arbeitgeber finanziert und ob der Internetzugang und das Arbeitsmaterial bezahlt werden. Ebenso muss man fürs Homeoffice ein Zimmer zur Verfügung haben, in dem man ungestört arbeiten kann. Arbeitgeber machen es sich dabei zum Teil einfach: Personal, das zu Hause arbeitet, verursacht kaum Kosten, da für diese Mitarbeiter kein Schreibtischplatz und Arbeitsmaterial im Unternehmen zur Verfügung gestellt werden muss. Man darf die Kostenbeteiligung des Unternehmens deshalb durchaus von den Vorgesetzten einfordern. Durch die heute vom Arbeitgeber erwartete ständige Erreichbarkeit kann das Homeoffice zur Arbeitsfalle werden. Es müssen also auch punkto Arbeitszeiten, Anwesenheitspflicht im Unternehmen und Erreichbarkeit Abmachungen getroffen werden.»

Wer längere Zeit am Schreibtisch zubringt, sollte nicht auf einen guten Drehstuhl verzichten. Solche sind mit praktischen Rollen ausgestattet und sollten in der Höhe variabel sein. Auch eine verstellbare Rückenlehne kann von Vorteil sein. Bei intensiver Nutzung sollte die Rückenlehne zudem mit leichtem Anpressdruck den Rücken gut stützen.

Foto: jnyemb/flickr

Der Ort eines Arbeitsplatzes will gut gewählt sein. Denn seine Atmosphäre beeinflusst die Produktivität massgeblich.

VORSICHT BEI INTERNA

Auch anderweitig gilt es, für eine gute Infrastruktur zu sorgen: Nicht nur müssen Arbeitsverträge und -versicherungen angepasst werden, sondern auch technische Mittel für eine zuverlässige Kommunikation und einen sicheren Datenaustausch sowie die Hardwareausstattung fürs Homeoffice bereitgestellt werden. Gerade im Homeoffice können sich die Geheimhaltungspflicht und der Datenschutz als problematisch erweisen: Um garantieren zu können, dass Interna nicht in den Besitz von Dritten wie etwa Mitglieder der Familie gelangen, sollten Massnahmen wie Passwortschutz und Vorgaben zur Datensicherung definiert werden.

CHECKLISTE

ORDNUNG IST DAS HALBE LEBEN

Ist der Schreibtisch sauber und sind alle Unterlagen geordnet, beginnt der Tag mit einer ganz anderen Energie. So bleibt das Homeoffice aufgeräumt:

  • Aufräumen in kleinen Einheiten ist viel einfacher zu bewältigen, als die immer grösser werdende Unordnung auf den einen, bestimmten Aufräumtag zu verschieben.
  • Beginnt man mit dem Aufräumen dort, wo in kürzester Zeit am meisten bewirkt werden kann, wächst die Motivation, weiter für Ordnung zu sorgen.
  • Täglich wechseln wir mehrmals die Räume – nimmt man die leere Kaffeetasse beim nächsten Gang in die Küche mit, beugt man der Unordnung vor.
  • Die ultimative Regel für Ordnung lautet: Alles hat seinen Platz und kehrt nach Benutzung wieder dorthin zurück. Wer diese Regel verinnerlicht, dem macht beim «Ordnunghalten» niemand mehr etwas vor.
  • Wer fixe Zeiten für Aufräumaktionen reserviert, räumt effektiver auf: Zehn Minuten vor Feierabend wird alles auf dem Tisch geordnet, damit am nächsten Tag mit neuem Schwung durchgestartet werden kann.

Wer hierzulande plant, Miete, Beleuchtung, Heizung und Reinigung des privaten Arbeitszimmers für die Steuern geltend zu machen, hat strenge Voraussetzungen zu erfüllen. Ein Abzug wird von den Steuerbehörden nur dann akzeptiert, wenn ein wesentlicher Teil der beruflichen Tätigkeit regelmässig im privaten Arbeitszimmer erfolgt und der Arbeitgeber dafür keinen geeigneten Raum bereitstellt. Zudem muss das Zimmer hauptsächlich dem beruflichen Zweck dienen und darf also nicht zusätzlich zum ausgiebigen Aquarellmalen, zum aufwendigen Bauen von Modellflugzeugen oder zum Nähen von Kinderkostümen genutzt werden.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen zu «Rechtliche Fallstricke bei der Verrichtung von Home Office-Arbeit» finden Sie unter: www.hrm.ch