Ein Garten voller Vögel

Vögel im Garten sind echte Nützlinge, denn sie bringen nicht nur Stimmung und Farbe mit, sondern machen sich auch gern über Schädlinge wie Läuse und Raupen her.

Text — Helen Weiss


 

GEFIEDERTE FREUNDE

Vögel sind gern gesehene Gäste und lassen sich mit etwas Geschick problemlos in den Garten locken. Eins jedoch gleich vorweg: Die Piepmätze mögens wild-romantisch. Statt gepützelt darf es für die gefiederten Freunde gern etwas unaufgeräumt und wild sein. Zudem sind Vögel ständig auf Futtersuche, weshalb man ihnen ein möglichst reichhaltiges Büffet auftischen muss. Wer nun überlegt, das Futterhäuschen auch durch den Sommer zu befüllen, ist auf dem Holzweg. Vielmehr geht es darum, auf die richtigen Pflanzen zu setzen.

TIPP

AB INS PARADIES

Nicht allein mit den geeigneten Pflanzen lässt sich ein Garten vogelfreundlich gestalten. Mit Sand-, Ast-, oder Komposthaufen sowie einer Wasserstelle werden Bademöglichkeiten, Unterschlupf und weitere
Nahrungsgründe zur Verfügung gestellt. Wichtig ist bei allen vogelfreundlichen Massnahmen eine gewisse Sicherheit vor Räubern. Idealerweise pflanzt man einige Büsche oder dornige Sträucher in die Nähe, die als Sichtschutz, Zufluchtsort und Nistplatz dienen. Wer zudem jetzt im Frühjahr Bäume und Sträucher beschneidet, sollte das Schnittgut nicht entsorgen, sondern es in einer Gartenecke zu einem Haufen schichten. Rotkehlchen und Zaunkönig freuen sich über die Brutmöglichkeit, denn sie lieben es bodennah. Für Amseln sind hingegen vor allem mit Efeu oder wildem Wein bewachsene Hausfassaden ein Paradies. Eine Trockenmauer ist zudem ein idealer Futterlieferant für Kleiber, Meisen und Zaunkönig. In den unverfugten Ritzen tummeln sich nämlich zahlreiche Insekten, die genau den Geschmack der Vögel treffen.

Dafür ist im Mai die ideale Zeit. Bei der Wahl gilt es, die Vorlieben der Vögel zu berücksichtigen, denn zum Erhalt der Vogelarten ist eine naturnahe Gartengestaltung mit einheimischen Pflanzen die wichtigste Massnahme. Der Lebensraumverlust ist eine der grössten Gefahren für die einheimische Vogelwelt. Gehölze im Garten sollten im Herbst deshalb nicht nur mit ihrem bunten Laub auftrumpfen, sondern auch kräftig Beeren ansetzen. Denn dass Vogelbeere und Pfaffenhütchen ihre Früchte in leuchtendem Orange oder Rot präsentieren, freut nicht nur uns Menschen, sondern auch zahlreiche Vogelarten.

DIE EXPERTIN

Dr. Eva Inderwildi,
Projektleiterin Vögel
und Glas bei
BirdLife Schweiz

«GLASFLÄCHEN SIND TÖDLICHE FALLEN FÜR VÖGEL»


Vögel können Glas nicht erkennen, sondern sehen nur die Landschaft, die sich darin spiegelt. Deshalb fliegen die gefiederten Wildtiere oft mit voller Wucht in die Scheibe. Jährlich sterben auf diese Art schätzungsweise eine Million Vögel in der Schweiz. Bei Neubauten können zum Schutz der Vögel Markierungen wie Streifen oder graphische Muster vom Hersteller direkt ins Glas gefräst werden. Die Form der Musterung ist dabei egal, wichtig ist jedoch, dass der Abstand zwischen den Markierungen nicht grösser als zehn Zentimeter ist. Dadurch wird die Spiegelung unterbrochen und die Scheibe wird von Vögeln als Hindernis erkannt. Greifvogel-Silhouetten nützen hingegen nichts – sie haben keine abschreckende Feindwirkung, wie man das früher dachte. Sie wirken nur, wenn sie wie alle Markierungen, dicht angebracht werden.

Foto: BirdLife Schweiz
Foto: BirdLife Schweiz

Die schwarzen Kleber sind in der Dämmerung für Vögel auch weniger gut erkennbar. Wirksam sind hingegen weisse oder gelbe ein Zentimeter breite vertikale Streifen, die in einem Abstand von maximal zehn Zentimeter angebracht werden. Auch Kinderzeichnungen mit Fensterfarbe, Schnüre oder Wandtattoos zeigen Wirkung. Wichtig ist jedoch, dass die Markierung aussen am Glas angebracht wird, damit sie die Spiegelung unterbricht.»


EINHEIMISCHE ARTEN WÄHLEN

Für die gefiederten Gartenbewohner bedeuten die Beerensträucher eine wichtige Nahrungsquelle, denn die einheimischen Singvögel haben gerade im Winter ziemlich widrigen Umständen zu trotzen. Mit genügend Nahrung überstehen die kleinen Gesellen selbst klirrenden Frost und Schnee.

Foto: Anita Stoewesand/pixelio.de

Während der kalten Jahreszeit haben Amsel, Drossel, Fink und Star einen «Beerenhunger»

Beerensträucher bieten zusätzlich zur Nahrung einen Platz zum Nisten im Frühling. Ausserdem verschönern viele Sträucher im Sommer den Garten mit ihrer Blütenpracht und sind dann auch attraktiv für Bienen und Schmetterlinge. Glücklicherweise ist die Auswahl an geeigneten Pflanzen gross, denn es gibt eine ganze Reihe von Sträuchern, die auf Vögel anziehend wirken. Wichtig ist, dass es sich um einheimische Gewächse handelt – so können Vögel und andere Tiere am meisten profitieren, da sie an die in unseren Breitengraden wachsenden Wildpflanzen am besten angepasst sind.

TIPP


WAS NUN, KLEINER FLATTERMANN?

Wenn man ein Küken gefunden hat, das bereits flügge ist, ruht es sich meist nur kurz von einem Flugversuch aus. Ist man unsicher, ob es dem Findelvogel gut geht, beobachtet man den Ästling mindestens zwei oder drei Stunden lang. Ist das gefundene Vögelchen hingegen sehr jung, kann man es vorsichtig zurück ins Nest setzen. Auch wenn einem Jungvogel akute Gefahr durch die Nachbarskatze droht, darf man ihn in eine sichere Hecke umsetzen.

TÄGLICHER PROTEINNACHSCHUB

Die bei den Vögeln beliebtesten Beerenpflanzen sind Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) und Gemeines Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus). Bis zu 18 verschiedene Vogelarten nutzen diese Gewächse für die Nahrungssuche und als Niststandort. Häufige Gäste an einheimischen Beerenpflanzen sind Amsel, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücke. Bevor man jedoch einen Kauf tätigt und sich an die Pflanzung macht, sollte sorgfältig geplant werden: Da die Vogelbeere bis zu 15 Meter hoch werden kann, muss der Standort gut gewählt sein.

CHECKLISTE

MIETWOHNUNG FÜR DIE GARTENBEWOHNER


Vögel finden heute immer weiniger Nistmöglichkeiten.  Mit Nistkästen kann Höhlenbrütern wie Meisen, Star oder Gartenrotschwanz günstiger Wohnraum angeboten werden. Diese Punkte sind beim Aufhängen zu beachten:

  • Zum Anbringen von Nistkästen eignen sich am besten ältere Bäume, zur Not tut es auch die Hauswand.
  • Damit die Vögel einen freien Anflug auf ihren Nistplatz haben, sollten die Nistkästen nicht zu dicht hängen. Bei einer Gartengrösse von 400 Quadratmetern sind vier bis fünf Kästen ausreichend.
  • Wird der Nistkasten in der Nähe von Gebüschen aufgehängt, erleichtert man den Jungvögeln die ersten Flugversuche. Zudem bieten Äste und Zweige gute Start- und Landemöglichkeiten für die Eltern, das Laub bietet zusätzlichen Schutz.
  • Um vielen verschiedenen Vogelarten in Garten eine Heimat zu bieten, können Nistkästen mit unterschiedlich grossen Einschlupflöchern angebracht werden.
  • Wichtig ist, dass das Flugloch des Nistkastens nach Südosten ausgerichtet ist. Wind und Regen sollten nicht in die Flugöffnung eindringen können.
  • Ein Abwehrgürtel um den Stamm hindert Katzen daran, den Baum hochzuklettern und den Nistkasten zu plündern.

Nicht bei allen Vogelarten steht Weichfutter wie Beeren zuoberst auf der Menüliste. Sogenannte Körnerfresser wie etwa Spatzen und zahlreiche Finkenarten freuen sich über Samen von ein- oder mehrjährigen Blütenpflanzen. Geeignete Arten sind beispielsweise Mädesüss (Filipendula ulmaria), Natternkopf (Echium vulgare), Nachtkerze (Oenothera biennis), Färberkamille (Cota tinctoria) oder Wilde Möhre (Daucus carota subsp. Carota). Die Blütenstauden locken während des Sommers zahlreiche Insekten in den Garten, wodurch das Vogelbüffet stets um frische Proteine bereichert wird.

 

LINKS & LITERATUR

Weiterührende Links und Literatur finden Sie hier: